Mit Hunden leben
Man sollte meinen dass man als Tierarzt und nach mehr als 20 Jahren wissenschaftlicher Beschäftigung mit Hunden und Hundezucht informiert genug ist um bei der Auswahl der eigenen Hunde ziemlich sicher sein zu können dass man einen gesunden und wesensfesten Hund bekommt. Dem ist aber nicht oder nur bedingt so, denn Wissenschaft ist eine Sache, die eigenen Hunde und das Leben mit ihnen eine andere.
Die Gründe hierfür sind vielfältig: Der wichtigste ist wohl dass es heute praktisch keine Rasse gibt bei der nicht der eine oder anderen genetische Defekt mehr oder minder weit verbreitet ist. Man kann da nur eine vergleichsweise gesunde Rasse auswählen und wird dann mit deren Problemen leben müssen. Der zweite ist dass es nicht so einfach und enorm zeitaufwendig ist an die notwendigen Informationen zu kommen da es in der Hundezucht bedauerlicherweise an ausreichender Transparenz mangelt. Nur gute und erfahrene Züchter die die jeweilige Rasse sehr genau kennen und über detaillierte Hintergrundinformationen verfugen wissen was in der eigenen Rasse für Probleme bestehen und können sie ggf. vermeiden, - oder eben auch nicht. Der dritte Grund ist lebenspraktischer Natur. Gerade dann wenn ein junger Hund in das eigene Lebensumfeld am besten herein passt mangelt es oft an Zeit oder der Möglichkeit ausgedehnter Reisen um Ausstellungen und verschiedene Züchter besuchen zu können. Es bleibt also auch mir wie jedem anderen Hundeinteressenten auch nichts anderes übrig als mich letztlich auf den Züchter und ein bisschen Gluck zu verlassen.
Wenn man wie wir nicht auf eine einzige Rasse festgelegt ist sondern in nahezu jeder etwas Ansprechendes findet ist es durchaus schwierig sich für eine Rasse zu entscheiden. Sicherlich hat jeder von uns auch so etwas wie einen Idealtypus im Kopf. Für mich ist wohl das Bild eines Spitzes prägend während mein Ehemann beim Betrachten eines Terriers ins Sinnen kommt. Aber man macht im Laufe seines Lebens mit Hunden so seine Erfahrungen und sieht das im Laufe der Zeit etwas sachlicher. Hier einige Punkte die mir wichtig geworden sind:
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Ein großer Hund kommt nicht mehr in Frage. Die Grenze liegt irgendwo bei 45cm Schulterhöhe und 12-15kg Gewicht. So einen mittelgroßen oder kleineren Hund kann man noch gut handhaben, mal auf den Tisch stellen um ihn zu bürsten oder packen und in die Dusche stellen wenn er sich im Aas gewälzt hat. Und auf die Rückbank eines Autos passen bequem zwei oder drei davon, und wenn es sein muss noch weitere drei hinter dem Rücksitz.
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Ein allzu kleiner sollte es aber auch nicht sein. Die Idealgröße wäre aus gesundheitlicher Sicht etwa so zu definieren: "Zu groß für Patellaluxation und zu klein für HD". Die noch vertretbare untere Grenze durfte wohl bei etwa 30cm Schulterhöhe und 5kg Gewicht liegen
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Es versteht sich das Rassen mit anderen tierschutzrelevanten Rassemerkmalen gleichfalls nicht in Frage kommen.
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Für einen scharfen Hund haben wir ebenfalls keine Verwendung. Dafür kommen - um hier einmal Rien Poortvliet zu paraphrasieren - auf unserem Hof einfach zu wenige Gauner vorbei. Außerdem ist deren Erziehung aufwendiger als wir es uns zumuten wollen. Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Gehört die ausgewählte Rasse zu denen die als "gefährlich" stigmatisiert sind und vielleicht sogar auf einer der zahlreichen Rassenlisten aufscheinen, so tritt ihnen jeder mit besonderer Vorsicht bzw. mit Vorbehalten gegenüber, - zu recht oder unrecht spielt dabei keine Rolle. Ich aber möchte dass niemand vor unseren Hunden Angst hat denn die soziale Akzeptanz von Hunden ist sowieso zunehmend gefährdet.
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Hunde frei laufen zu lassen, insbesondere auch zu mehreren, ist ein Vergnügen das ich weder den Hunden noch mir dadurch wegnehmen lassen will dass ich eine Rasse mit ausgeprägtem Jagdtrieb wählen wurde.
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Eine aufwendige Fellpflege ist in meinen Augen für Hund und Besitzer nur lästig. Aber welche unter den vielen verschiedenen Fellvarianten die pflegeleichteste ist, ist schwer zu sagen. Sicherlich kommt bei den langhaarigen Hunden das Fell des Japanspitzes dem Ideal schon sehr nahe. Aber vielleicht ist es auch nicht so schlecht wie es z.B. bei Terriern oder dem Pudel der Fall ist, diese einfach 2x pro Jahr scheren oder trimmen zu lassen.
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Neben einer robusten Gesundheit ist ein solides Nervenkostüm mit hoher Reizschwelle wohl die wichtigste Eigenschaft eines Hundes. Bedauerlicherweise wird dieser Aspekt nicht bei der Zucht jeder Rasse angemessen berücksichtigt.
Wenn das alles berücksichtigt ist so bleiben genug Rassen übrig die wir uns bei der Auswahl eines weiteren Hundes genauer anschauen, ihr jeweiliges für und wider bedenken, abwägen und erörtern müssen. Und so wird dann wohl die Entscheidung für eine bestimmte Rasse und einen bestimmten Hund ein Produkt aus solchen Erwägungen, Idealvorstellungen, Zufall, gezielte Fragen an den Züchter und hoffentlich einem Quäntchen Glück sein.
Und letztendlich und glücklicherweise ist das alles ja keine rein rationale Entscheidung. Die Grunde des Herzens sind nun einmal manches mal andere als die des Verstandes und wir sollten uns nur bemühen beide nicht zu sehr in Widerspruch geraten zu lassen.
Ein Bericht über persönliche Erfahrungen mit den eigenen Hunden, ergänzt durch Anmerkungen zu allgemeinen Problemen von Hundehaltung und Hundezucht... [weiter...]
Tara
Tara war mein erster Hund. Lang erträumt, sehnlichst herbeigewünscht. Und doch alles andere als ein Traumhund.
Der vergebliche Wunsch nach einem Hund prägte meine Kindheit. Im Elternhaus war Hundehaltung aus verschiedenen Gründen nicht möglich, während des Studiums fehlten ebenfalls Möglichkeiten und Zeit. Aber dann war es so weit. Mein Arbeitsplatz erlaubte die Mitnahme eines Hundes. Und nun konnte ich es kaum mehr erwarten. Zufällig stieß ich recht bald auf einen Wurf Wolfspitze und kam so auf den Hund wie Tausende anderer Hundebesitzer auch. Ein kleines tapsiges, fiependes Fellknäuel eroberte rücksichtslos mein Herz. Da war kein Platz mehr für Überlegungen ob das denn wohl die richtige Rasse für mich sei, oder ob denn die Eltern auch gesund seien. Zu meiner "Entschuldigung" mag gelten, dass für mich damals Hundezucht als wissenschaftliches Arbeitsgebiet noch in weiter Ferne lag. Das einzige, was mir die Züchterin als rassespezifische Information mitgab war dass Wolfspitze nicht jagen. Wolfspitzbesitzer bekämen aus diesem Grunde vom Niederösterreichischen Landesjadgverband sogar eine Prämie wurde mir erzählt.
Und so begann dann mein fast 16 Jahre dauerndes Zusammenleben mit Tara. Bereits der Anfang war nicht ganz unproblematisch. Sie war von Anfang an perfekt "straßensauber": Nach stundenlangem Spazierengehen im damals noch urbanen Umfeld erleichterte sie sich glückselig auf dem Wohnzimmerteppich. Es dauerte Wochen bis die biologischen Notwendigkeiten dort erledigt wurden wo sich das für Hunde so gehört. Auch die gegenteiligen Aktivitäten waren mit Problemen verbunden. Mein kleiner Hund weigerte sich schlichtweg zu fressen. Zumindest das, was ich ihm in seine Schüssel gab. Was bei mir am Teller lag wurde hingegen mit großem Interesse betrachtet und sofern möglich auch gefressen. Uns so sah ich dann irgendwann die einzige Möglichkeit meinen kleinen Hund vor dem Verhungern zu bewahren darin ihr Futter auf meinen Teller zu geben, diesen auf den Tisch zu stellen und sie mit der Hand daraus zu füttern. Der Betrug funktionierte. Ab sofort fraß sie auch ihr Hundefutter. Aber eben nur vom Teller auf dem Tisch. Ich muss heute selber schmunzeln wenn ich an diesen hundepädagogischen Resignationsakt denke, aber ich war damals eben ein echter Hundeneuling.
Der Alltag mit Tara gestaltete sich durchgängig fröhlich. An meinem Arbeitsplatz gab es damals noch eine fast gleichalte Beaglehündin die mit Tara auf der Stelle eine feste und langjährige Freundschaft begann. Keine Sorge, wir haben damals viel gearbeitet, aber es machte Spaß zwischendurch immer wieder mal den permanent spielenden und tobenden Hunden zuzuschauen. Aber alles was nicht mit Spielen zu tun hatte gestaltete sich schwierig. Tara war, und das hatte sicherlich nicht nur mit meiner fehlenden Hundeerfahrung zu tun, ein schwererziehbarer Hund. Sie zeigte eine verhängnisvolle Kombination aus Dickschädel und Seelchen. Den Dickschädel setzte sie immer dann ein wenn sie etwas, das ich von ihr wollte, nicht zu tun gedachte. Und wenn ich sie dann in welcher Form auch immer strafte kehrte sie das Seelchen heraus. Belohnungen sah sie als selbstverständlich an, Strafen als Weltuntergang. Und dazu war sie noch intelligent genug um mich wo immer es ging auszutricksen. Aber irgendwann kam dann doch der Tag an dem wir miteinander halbwegs zurecht kamen. Sie blieb allerdings ihr Leben lang ein leicht zu beleidigender Hund.
Und auch sonst lag ihre Reizschwelle extrem niedrig. Das betraf einerseits Begeisterungsausbrüche bei allem was sie gut fand. Das konnte der Griff zur Leine vor dem Spaziergang sein, die Ankunft eines Menschen den sie liebte oder das Aufnehmen eines Hölzchens zum Werfen. Sie drehte jedesmal fast durch vor Freude. Aber auch bei negativen Reizen reagierte sie im Übermaß. Und nicht nur einmal passierte es dass sie dabei jemanden biss. Die Bisse waren nie schlimm, mehr als ein blauer Fleck war es nicht und einmal eine zerrissene Hose, aber sie hatte bald den Ruf als bissiger Hund weg. Und dann war da noch das Bellen. Alle Hunde bellen gelegentlich, manche mehr, manche weniger. Für Tara war Bellen Hobby und Lebensaufgabe zugleich. Sie bellte bei jeder sich bietenden Gelegenheit und wenn es keine gab, dann suchte sie sich eine. Im höheren Alter wurde sie dann auch noch lärmempfindlich. Gewitterdonner, Schüsse, Silvesterkracher aber auch Instrumente der Dorfkappelle unseres später ländlichen Umfeldes lösten bei ihr Nervenzusammenbrüche aus die sich darin äußerten dass sie am ganzen Körper zitterte und für ein bis mehrere Stunden kaum ansprechbar war.
Aber in einem Punkt machte sie ihrer Rasse alle Ehre. Sie jagte tatsächlich nicht. Und sie bewies das eines Tages auf sehr eindrucksvolle Weise. Ich war mit ihr wieder mal bei meinem Pferd, das in einem Reitstall in Niederösterreich untergebracht war. An diesem Tag waren die Stallbesitzer mit ihren Hunden da, drei Deutsch Kurzhaar. Wir standen plaudernd am Rand eines Feldes als auf einmal alle Hunde losrannten. Ein Hase hatte ganz plötzlich die Flucht ergriffen und alle Hunde, auch Tara verfolgten ihn. Gewohnheitsmäßig rief ich sie zurück was bei den Besitzern der anderen Hunde ein mitleidiges Lächeln auslöste. "Was soll das, die kommt jetzt doch nicht zurück" bekam ich zu hören. Aber es kam anders. Auf meinen Ruf hin wurde Tara langsamer, ein zweiter Ruf brachte sie dazu stehenzubleiben und beim dritten Ruf kam sie zwar langsam aber doch zurück. An die verblüfften Gesichter der anderen Hundebesitzer denke ich noch heute gerne zurück.
Spitze
Eine niedrige Reizschwelle sowie Bellfreudigkeit machen bei einer Rasse die traditionell als Wach- aber nicht als Schutzhund genutzt wurde durchaus Sinn. Unter den heutigen, veränderten Lebensbedingungen werden solche Eigenschaften aber obsolet und stellen sicherlich ein Hindernis hinsichtlich der Verbreitung der Rasse dar. Was wir uns heute bei Begleit- und Familienhunden wünschen ist eine eher hohe Reizschwelle bei geringer oder mäßiger Aggressivität, und vor allem: bellen sollen sie nicht oder nur in begrenztem Umfange. Japanspitze, bei denen eine entsprechende Selektion stattgefunden hat, verfügen über diese Eigenschaften was sie zu angenehmen Familienhunden macht ohne dass die willkommenen Eigenschaften der Spitze verloren gegangen sind [s.a.Shira].
Bedauerlicherweise scheint es so als ob die Beliebtheit von Großspitzen derart am abnehmen ist dass um den Bestand der Rasse zu fürchten ist was einen großen Verlust darstellen würde. Denn Spitze verfügen über Eigenschaften wie Territorialität, Sensibilität, Anhänglichkeit, Distanziertheit Fremden gegenüber, begrenztes Bewegungsbedürfnis, lange Lebensdauer und das fehlen eines Jagdtriebes die sie bei zeitgemäßer Selektion zu Begleit- und Familienhunden weit geeigneter macht als dies bei manch anderer, auf Jagd- oder Schutzhundbasis entstandenen Rasse der Fall ist.
Dass Tara Junge bekam könnte man bei nüchterner Betrachtung auf meine Gedankenlosigkeit, bei etwas romantischerer Sichtweise auf "Amors Pfeile" zurückführen. Ich hatte damals mein Pferd in einem Reitstall im Marchfeld eingestellt. Tara war immer dabei und dort gab es einen Rüden den sie von Anfang an sehr mochte. Die Zuneigung beruhte auf Gegenseitigkeit und die beiden Hunde waren immer ganz glücklich wenn sie beisammen waren. Dann wurde sie läufig und es wurde vereinbart dass der Rüde, wenn wir da waren, weggesperrt wurde. Aber es kam was kommen musste. Irgendjemand öffnete die Tür hinter der der Rüde nur auf die günstige Gelegenheit gewartet hatte und noch bevor ich wusste was geschah, war meine Hündin gedeckt. Der Rüde war natürlich kein prämierter Wolfspitz sondern ein Mischling aus Barsoi und Schäferhund, nichtsdestoweniger ein prachtvoller Hund und so fiel die Entscheidung Tara die Welpen austragen zu lassen nicht allzu schwer.
Und es hat sich gelohnt. Sieben wunderschöne Mischlinge waren das Produkt dieser "Liebesehe". Einer davon, Mimi, die ich behalten habe, hat mich fast 14 Jahre begleitet. Und eines kann ich ganz ohne Vorbehalte sagen. Das Erlebnis einen Wurf Hunde aufzuziehen war eines der schönsten in meinem Leben, eine Erfahrung die mich auch das Dilemma vieler Hundehalter verstehen lässt die sich einen Wurf von ihrer Hündin wünschen und dann mit der Tatsache konfrontiert werden dass die Hündin nicht zu Zucht geeignet ist.
An den Nachkommen aus dieser Wolfspitz-Schäfer-Barsoi Kreuzung ließen sich gut die Dominanzeffekte verschiedener Merkmale erkennen. Der Schäfer-Barsoi-Vater sah aus wie ein größerer Collie, mit dreifarbigem Fell und Hängeohren. Taras Kinder hatten zum Teil Hänge- und zum Teil Stehohren. In der Fellfarbe gab es zwei Varianten. Ein Teil war wolfsgrau wie Tara, ein Teil war gelb mit schwarzen Haarspitzen. Am Interessantesten fand ich das Jagdverhalten das ich bei Mimi beobachten konnte, sie hatte es wohl von ihrem Barsoi-Großvater geerbt. Obwohl nie bei Tara beobachtet jagte sie mit Begeisterung, allerdings ausschließlich auf Sicht. Solange ein Hase, der vor ihr flüchtete zu sehen war rannte sie hinterher. Kaum war die Beute in einem Feld oder Gebüsch verschwunden wurde es uninteressant und Mimi kam zu mir zurück.
Ein paar Monate nachdem Tara ihren Wurf hatte begannen ihre Rückenschmerzen. Ohne Vorwarnung stieß sie eines Tages einen lauten Schrei aus und begann am ganzen Körper zu zittern. Sie konnte sich fast nicht mehr bewegen und die Schmerzen gingen offensichtlich vom Rücken aus. Die am nächsten Tag durchgeführte Röntgenuntersuchung zeigte das Dilemma. An fast allen ihren Wirbeln gab es Zubildungen die zum Teil bereits miteinander verwachsen waren. Spondylose lautete die Diagnose. Eine Heilung sei nicht möglich, Medikamente könnten die Symptome mildern. Die Medikamente die sie bekam schlugen gottseidank auch gut an und Tara erholte sich wieder.
Etwa ein halbes Jahr später ging es wieder los. Wieder ganz ohne Vorwarnung und für Tara wieder ein physisch und wohl auch psychisch erschreckendes Erlebnis. Auch diesmal halfen die Medikamente und für ein weiteres halbes Jahr hatten wir Ruhe. Als aber nach etwa sechs Monaten alles wieder anfing fiel mir die Periodizität der Anfälle auf und weiter dass die Anfälle immer im Zusammenhang mit Taras Läufigkeit auftraten. Der Zusammenhang ließ sich in der Theorie gut erklären. Durch die während der Läufigkeit produzierten Hormone kommt es zu einer Aufquellung aller Gewebe, was den Druck auf die Nervenenden im Bereich der Spondylosen wohl verstärkte. Als Konsequenz dieser Erkenntnis ließ ich Tara kastrieren und es half. Sie wurde zwar zunehmend steifer im Rücken, hatte aber nie wieder so offensichtliche Schmerzanfälle.
Mit etwa 7 Jahren hatte sie dann einen ersten epileptischen Anfall. Die Anfälle traten gottseidank nur selten auf und hörten im späteren Alter ganz auf, aber sie vererbte die Krankheit einem ihrer Söhne, der weit schlimmer erkrankte und im Alter von etwa vier Jahren im "Status epilepticus" eingeschläfert werden musste.
Epileptische Anfälle
Zwei meiner bislang 6 Hunde litten an epileptiformen Anfällen, ein Ausdruck der genauer als der übliche Terminus Epilepsie beschreibt dass es höchst unterschiedliche Gründe für das Auftreten dieser Anfälle gibt was die züchterische Bearbeitung natürlich ungemein erschwert oder sogar unmöglich macht. Problematisch ist dies insbesondere dadurch dass die Anfälle oft erst in fortgeschrittenen oder hohem Alter auftreten. Es kommt hinzu dass hier der Forschungsstand noch wenig entwickelt ist und es bedauerlicherweise keine ausreichenden Daten gibt um abschätzen zu können wie weit diese Krankheiten tatsächlich verbreitet sind. Es kann aber wohl von einer recht hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.
Anders als bei einigen anderen Krankheiten gibt es außerhalb des beobachteten Anfalles bislang keine diagnostischen Möglichkeiten. Klar ist dass es Formen gibt die genetisch bedingt sind wie das bei Tara wohl der Fall war. Solche Hunde und ihre Nachfahren sollten natürlich von der weiteren Zucht ausgeschlossen werden was m.W. von keinem Zuchtverband explizit gefordert wird.
Schwerere Formen epileptiformer Anfälle sind eine schlimme, die Persönlichkeit des Hundes zerstörende und Hund und Besitzer enorm belastende Krankheit. Es wäre wünschenswert wenn diese Problematik in Forschung und Hundezucht stärkere Beachtung finden würde.[s.a. Nicoline]
Abgesehen von diesen beiden Problemen war Tara ein sehr gesunder Hund der auch ein fast biblisches Alter erreichte. In ihren letzten Lebensjahren zeigte sie allerdings alle Anzeichen einer zunehmenden Demenz was das Zusammenleben mit ihr nicht gerade einfach machte. Zum Schluss lebte sie nur mehr in ihrer eigenen Welt zu der weder ich noch ihre Tochter Mimi richtigen Zugang hatten. Mit knapp 16 Jahren fiel sie dann eines Tages auf einem Spaziergang durch den Garten einfach um und war tot. Ein schöner, friedlicher Tod. [ weiter... ]
Mimi
Mimi war eigentlich ein Überbleibsel. Sie war die einzige Hündin in Taras Wurf und fiel unter ihren Brüdern von Anfang an dadurch auf dass sie nur etwa halb so groß wie diese war. Und sie war auch nur halb so frech. Ein kleines, schüchternes und eher unzugängliches Ding. Alle potentiellen Abnehmer, die ich überreden konnte sich die Welpen einmal anzuschauen, übersahen die kleine Hündin geradezu und zeigten ausschließlich Interesse für die Rüden für die ich auch recht bald gute Plätze gefunden hatte. Aber niemand wollte Mimi haben. Und wenn ich selber darüber nachdachte einen der Welpen zu behalten dann drehten sich meine Gedanken eher um den kleinen Rolfi, einen ihrer Brüder, der ununterbrochen seinen Charme spielen ließ. Mimi hatte keinen Charme, sie war auch nicht besonders hübsch. Und sie ging niemandem zu, auch mir nicht. Trotzdem beschloss ich dann eines Tages sie zu behalten.
Und ich habe es nie bereut. Denn aus dem hässlichen Entchen wurde im Lauf der Zeit ein schöner und vor allem ungemein liebenswerter Schwan. Mimi war mein bisher problemlosester Hund. Ihr unangenehmstes Merkmal war ihre äußerst misstönende Stimme in Kombination mit einer von ihrer Mutter geerbten Bellfreude. Ihre lästigste Eigenschaft die besonders in der Jugend ausgeprägte Freude daran alles was vor ihr davonlief zu jagen. Beide Fehler gaben sich recht bald. Ihre Stimme wurde sonorer und damit erträglicher und ihre Jagdfreude wich einem recht verlässlichen Gehorsam. Mit ihrer Mutter verstand sie sich gut, sie unterwarf sich ihr bedingungslos und somit gab es niemals Probleme. Die gab es erst, als Tara starb, denn damit kam Mimi überhaupt nicht zurecht. Sie war völlig verunsichert und hing sozusagen ununterbrochen an meiner "Kittelfalte". Konnte ich vorher die beiden Hunde problemlos auch mal einige Zeit allein zu Hause lassen so ging das jetzt nicht mehr. Als ich es doch einmal versuchte und sie einen Abend allein ließ bekam ich prompt die Rechnung serviert. Es war eine laue Sommernacht als ich mit dem Auto in unser kleines stilles Dorf heimkam und bereits am Dorfeingang meinen laut schreienden Hund hörte. Sie hatte wohl den ganzen Abend lang die Nachbarn wachgehalten. Als dann später Nicoline zu uns stieß war alles wieder gut. Mimi unterwarf sich dem acht Wochen alten Welpen auf der Stelle und war wieder glücklich und zufrieden. Und das blieb auch noch viele Jahre so.
Mimi blieb von gröberen gesundheitlichen Problemen verschont. Als junger Hund war sie beim Spielen einmal aus dem Führerhaus eines Lastwagens gestürzt. Dabei verletzte sie sich die Schulter. Es war nicht weiter schlimm aber durch diese Verletzung entwickelte sich wohl eine geringfügige Verkürzung der Extremität was sich dann in einem leichten Hinken äußerte. Sie hinkte ihr ganzes Leben, mir fiel es gar nicht mehr auf. Sie hatte aber wohl auch kein wirkliches Problem damit und es tat ihrer Bewegungsfreude nicht den geringsten Abbruch. Mit fortschreitendem Alter wurde sie etwas steifer und unbeweglicher und vor allem das Einsteigen ins Auto fiel ihr schwerer. Sie entwickelte dazu ein richtiges Ritual bei dem sie mehrmals Anlauf nahm bis sie den Sprung dann schaffte. Als ich mir zu dieser Zeit ein neues Auto kaufte war ein Kriterium der Kaufentscheidung dass Mimi bequem einsteigen konnte. Ich sehe heute noch das verblüffte Gesicht des Verkäufers vor mir als ich ihm erklärte warum ich unbedingt einen fünftürigen Wagen haben wollte
Als sie knapp 14 Jahre alt war begann sie eines Tages zu husten, trocken und keuchend und verlor ihren Appetit. Eine Röntgenuntersuchung zeigte das Problem. An der Basis ihres Herzens war ein fast tennisballgroßer Tumor gewachsen. Eine Operation kam nicht mehr in Frage und so wurde ich mit ein paar Medikamenten und wenig Hoffnung heimgeschickt. Ein paar Tage lang ging es Mimi besser aber dann kam der Husten wieder. Verschärft wurde die Situation dadurch, dass ich eine unverschiebbare Dienstreise vor mir hatte und ich vor dem Dilemma stand, dass ich Mimi in dieser Situation nicht allein lassen wollte auf der anderen Seite aber davor zurückscheute sie einschläfern zu lassen bevor es unbedingt nötig war, nur weil ich wegfahren wollte. Rücksichtsvoll und problemlos wie Mimi ihr ganzes Leben lang war löste sie auch dieses Problem souverän. Genau einen Tag vor meiner Reise erklärte sie mir nachdrücklich, dass es so weit sei. Sie wollte nicht mehr leben. Sie konnte es nicht mehr. In meinen Armen ist sie dann ganz friedlich nach der erlösenden Spritze eingeschlafen.
Euthanasie
Auf die Frage ob und wann ein altes oder krankes Tier zu euthanasieren sei gibt es vermutlich keine einfache Antwort. Allerdings sollte sich jeder der die Verantwortung für ein Tier übernommen hat darüber im klaren sein dass sich diese Frage irgendwann stellen wird. Ich selbst bin im Laufe der Jahre des Zusammenlebens mit Pferden, Hunden und Katzen zu der Auffassung gekommen dass es schlimmeres im Leben gibt als zu sterben und habe gelernt meiner Intuition zu vertrauen dass ich merke wenn ein Tier "nicht mehr will". Wann das der Fall ist, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und ist im Einzelfall sensibel zu entscheiden. Ich habe mich vor Jahren einmal, bei einem sehr charaktervollen Kater, zu früh dazu entschieden und hoffe das nicht noch einmal erleben zu müssen, - es war fürchterchterlich!
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;Nicoline
Auf der Suche nach einer Gefährtin für Mimi, die nach dem Tod von Tara mit dem Alleinsein nur sehr schlecht zurechtkam, war ich auf Labradorretriever gestoßen. Ich hatte erstmals über diese Rasse im Zusammenhang mit ihrer Verwendung als Blindenhund gelesen wobei mich die für diesen Einsatz notwendige Wesensfestigkeit beeindruckt hat die es ermöglichst dass der Hund im Laufe seines Lebens zumindest zwei Besitzerwechsel psychisch unbeschadet übersteht.
Die Rasse kam gerade in Mode als ich zu suchen begann und Welpen waren nicht leicht zu bekommen. Nach einiger Zeit fand ich aber eine Wiener Züchterin die gerade einen Wurf erwartete. Bei diesem Wurf fiel dann auch eine Hündin, eine einzige nur, aber die war vom ersten Lebenstag an fix für mich reserviert. Ich hab sie fast wöchentlich besucht und konnte ihre Entwicklung gut verfolgen. Nach 7 Wochen kam dann der Anruf der alles in Frage stellte. Bei der Wurfabnahme war festgestellt worden dass diese Hündin eine starke Verkürzung des Unterkiefers hatte. Es war keine leichte Entscheidung, aber nach zwei fast schlaflosen Nächten hab ich mich gegen diese Hündin entschieden.
Damit ging die Suche wieder los. Und diesmal musste ich bis in die Mitte Deutschlands, nach Wuppertal fahren um fündig zu werden. Dort gab es gerade einen Wurf bei dem noch eine Hündin zu haben war. Die Eltern waren beide HD-frei, die Züchterin machte am Telefon einen kompetenten und netten Eindruck und so fuhr ich los. Am Bahnhof wurde ich von der Züchterin erwartet, im Arm trug sie die kleine Nicoline die sich auch völlig unerschüttert von mir übernehmen ließ. Und auch bei der Fahrt mit der rüttelnden Wuppertaler Hängebahn blieb sie absolut gelassen. Die Kleine war durch eine sehr gute Primärsozialisierung gegangen, was ich am Nachmittag noch vor Ort miterleben konnte. Die Welpen waren in einem geräumigen Zwinger untergebracht, mit zahlreichem Spielzeug das teils abenteuerliche Geräusche von sich gab. Ein bis zweimal am Tag wurden sie ins Auto gepackt und mit ihnen auf eine große Wiese gefahren wo sie sich austoben und bereits eine Menge Eindrücke sammeln konnten.
Die nächtliche Bahnfahrt zurück nach Wien verlief problemlos, die Kleine kuschelte sich auf einer Decke unter dem Sitz zusammen und verschlief fast die ganze Fahrt. Und das unvermeidliche Lackerl wurde auf dem mitgenommenem Zeitungspapier deponiert. Das mit Spannung erwartete erste Zusammentreffen mit Mimi verlief ebenfalls optimal: Die beiden beschnupperten sich kurz, dann merkte man wie Mimi sich entspannte. Es war wieder ein zweiter Hund da, sie war nicht mehr allein und damit war für sie wohl die Welt wieder in Ordnung.
Der problemlose Beginn meines Zusammenlebens mit Nicoline setzte sich nicht ganz so problemlos fort. Es zeigte sich sehr bald dass Nicoline ein sehr starker und selbstbewusster Hund war die in Bezug auf Erziehung und Dominanzverhältnisse ihre eigenen Vorstellungen hatte die mit meinen nicht wirklich übereinstimmten. Mein Verständnis von Hundehaltung wiederum ließ nicht zu dass mein Hund das Sagen hat und so lieferten wir uns im Laufe ihres Lebens immer wieder harte Auseinandersetzungen bei denen dann die Rangfolge zumindest für eine gewisse Zeit wieder in meinem Sinn geklärt wurde.
Der klassische Werdegang der Aggressivität
- Als Welpe bereits "Kernig". Er lässt sich nichts wegnehmen, knurrt, zeigt die Zähne etc.
- In der Pubertät ist er noch zu jung zum Hören, er schnappt schon mal.
- Als Erwachsener ist er ein Hund mit Eigenarten, die gilt es zu respektieren. Er beißt gelegentlich.
- In der Rangordnung unter ihm stehen eigentlich alle, bis auf den Hausherrn.
- In der Rangordnung über ihm steht eigentlich Niemand, auch nicht der Hausherr. Dieser ist konzessionsbereit.
- Der Hund ist mit 3-4 Jahren auf der Höhe seiner physischen Kraft und Gesundheit, nicht konzessionsbereit, sondern bestrebt, klare Rangordnungsverhältnisse zu erfahren.
- Daher wird er dem Besitzer gegenüber mit zunehmender Intensität Imponier- und Drohverhalten zeigen und meist darauf keine adäquate Antwort erhalten.
- Ganz folgerichtig und artgerecht wird er es deshalb auf eine Konfrontation ankommen lassen und wahrscheinlich gewinnen.
- Deshalb wird er für "Verhaltensgestört" erklärt, da er wie aus heiterem Himmel zugebissen habe. Oftmals wird er wegen Unhaltbarkeit euthanasiert.
F.Rehage: Hyperaktivität beim Hund aus der Sicht des praktischen Tierarztes. Der praktische Tierarzt 5, S. 408-419.
Es kam hinzu dass sie ein sehr temperamentvoller Hund war der im Überschwang oft ein regelrecht rüpelhaftes Verhalten zeigte, - und Überschwang war bei ihr fast Normalzustand. Von ihrem höheren Alter abgesehen konnte ich mit ihr niemals "schmusen" denn jeder Versuch führte bei ihr zu einem Freudenausbruch mit intensivem "Ganzkörperwedeln" bei dem sie mir, wenn ich nicht aufpasst, ihren schweren Schädel um den Kopf schlug. Auch im Verteilen von Kinnhaken war sie Meisterin wenn sie einen bei der Begrüßung im Senkrechtstart ansprang.
Aber das war natürlich nur eine Seite von ihr. Die andere war die eines absolut wesensfesten und gutmütigen Hundes der alle Menschen und Tiere (mit Ausnahme von flüchtenden Hasen) liebte und niemals absichtlich irgendwem etwas Böses getan hätte. Sie war gefräßig wie angeblich alle Retriever und sie liebte das Wasser wie das wohl alle Retriever tun. Sie war ein sehr selbständiger Hund der sich ohne Probleme allein beschäftigen konnte, der einzige meiner Hunde den ich in den Garten schicken und der sich dort auch allein für längere Zeit aufhalten und mit sich selber beschäftigen konnte. Das war recht angenehm denn welchen Hundebesitzer nervt nicht gelegentlich dass die Hunde einem permanent an den Hacken hängen und nicht aus den Augen lassen.
Manchmal war ihre Selbständigkeit aber auch enervierend. Besonders als sie sie im fortgeschrittenen Alter mit einem zunehmenden Ungehorsam verband. Spazierengehen mit ihr wurde zum Spießrutenlauf weil sie jede Gelegenheit nutzte um abzuhauen und einen ihrer geliebten Komposthaufen aufzusuchen. Dort schlug sie sich dann den Bauch voll um die nach ihrer Meinung viel zu knappe häusliche Kost aufzubessern. Das Problem war, dass einige dieser Komposthaufen hinter den Zäunen von Gärten anderer Leute lagen und mir dann nichts anderes übrigblieb als geduldig zu warten bis mein Hund von seinem kulinarischen Ausflug wieder zurückkehrte. Einmal kam sie von selber gar nicht zurück, da war sie auf dem Grundstück des Komposthaufenbesitzers in eine Betongrube gefallen aus der sie allein nicht mehr herauskam. Gottseidank kam der "Hausherr" kurz nach dem Unfall und so wurde sie unversehrt befreit und konnte den nächsten Komposthaufen in Angriff nehmen.
Auch an krimineller Energie mangelte es ihr nicht, denn nichts war vor ihr sicher. Ein Kilo Zucker das - eigentlich recht unzugänglich - im Pferdestell deponiert war wurde der nicht bestimmungsgemäßen Verwertung durch sie genauso zugeführt wie ein Teil meines Vorrates an Futterdosen aus der Garage. Es dauert einige Zeit bis ich begriff das meine liebe Nicoline für deren unerklärlichen Schwund verantwortlich war: Sie stibitzte gelegentlich eine Dose, schleppte sie in den Garten, biss Löcher hinein und saugte den Inhalt durch diese Löcher heraus. Was übrig blieb war ein undefinierbarer Metallklumpen dessen Ursprung ich erst später verstand. Eines möchte ich allerdings betonen: Nicoline gehörte niemals zu jenen übergewichtigen Retrievern die wir so oft zu sehen bekommen und wirklich übelgenommen habe ich ihr ihre besondere Art der Selbstversorgung auch nicht, auch wenn ich manches mal verärgert war. Schließlich steckte da auch eine ganze Menge an Zielstrebigkeit und praktischer Intelligenz dahinter.
Zu jener Zeit nahm ich Nicoline und Mimi regelmäßig mit zu meiner Arbeitsstelle. Während es sich Mimi unter meinem Schreibtisch bequem machte zog es Nicoline vor ihren Tag bei einem der von ihr bevorzugten Kollegen zu verbringen. Es bereitete mir dann durchaus Mühe sie zum Feierabend von den Kollegen wegzuholen. Nicoline war eben das was Konrad Lorenz einen Kalfaktorhund genannt hätte, Opportunistin aus Passion.
Mit einem Jahr ließ ich bei Nicoline die vom Zuchtverband vorgeschriebene HD-Untersuchung machen. Der Befund lautete erfreulicherweise HD-frei und ich dachte über eine eventuelle Nachzucht nach. Als sie drei Jahre alt war verletzte sie sich beim wilden Spiel mit einer Hundefreundin die Schulter. Bei der Röntgenaufnahme, die zur diagnostischen Abklärung gemacht wurde, war per Zufall auch das Ellbogengelenk mit drauf. Und das schaute schrecklich aus. Hochgradige Ellbogendysplasie lautete die endgültige Diagnose. Und die war genau genommen eine Erleichterung denn die erste Verdachtsdiagnose schloss auch einen Knochenkrebs nicht aus. Damit waren nun in jedem Fall alle Gedanken mit ihr vielleicht mal einen Wurf zu machen abgehakt und sie wurde kastriert. Gottseidank wirkte sich die Ellbogendysplasie bei ihr niemals wirklich negativ aus. Sie hat ihr ganzes Leben nicht mehr als drei Tage lang gelahmt.
Abgesehen von der Ellbogendysplasie war Nicoline lange Zeit ein gesunder Hund. Erst im höheren Alter erkrankte sie an Epilepsie. Mit zehn Jahren hatte sie ihren ersten Anfall, vier Wochen später den nächsten und wieder kurze Zeit darauf den dritten. Danach wurde sie mit Antiepileptika behandelt, zunächst auch mit gutem Erfolg. Aber im Lauf der Zeit kamen die Anfälle wieder, zwar in leichterer Form aber dafür immer häufiger. Auch eine Erhöhung der Medikamentendosis brachte nur vorübergehend Besserung. Und das schlimmste war dass meine starke, wesensfeste Nicolinie durch die Anfälle und oder durch die Medikamente langsam aber sicher ihre Persönlichkeit verlor. Ich hatte den Eindruck, dass mit jedem Anfall mehr und mehr Gehirnzellen zerstört wurden. Nicoline zeigte zunehmend Symptome von Demenz.
Körperlich ging es ihr noch lange Zeit gut was die Situation aber nicht leichter erträglich machte. Hinzu kam dass sie ihre Sauberkeit verlor und das erschwerte das Leben mit ihr in der letzten Zeit beträchtlich. Ich empfand es geradezu als Erleichterung als sie mich nach fast eineinhalbjähriger Krankheit an einem extrem heißen Frühsommertag wissen ließ dass sie nicht mehr wollte. Ihre langjährige Begleiterin Shira und unsere kleine Schapendoeshündin Dela, für die sie in ihren ersten Tagen bei uns noch Mutterersatz war, waren bei ihr als sie starb.
Nicoline wurde 13 Jahre alt, für einen Labrador ein recht hohes Alter. Sie fand ihr Grab unmittelbar neben einem Komposthaufen, - einem der Orte die sie im Leben so sehr geschätzt hat.
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Shira
Die Entscheidung für Shira fiel nach einem langen Auswahlprozess. Genau genommen war es eigentlich ein Ausschlussverfahren. Nach Mimis Tod wollte ich mir mit einem neuen Hund Zeit lassen, wollte im Grunde mal wieder probieren wie es ist, nur einen Hund zu haben.
Mit Nicoline gab es diesbezüglich kein besonderes Problem. Im Gegensatz zu Mimi ließ sie nicht erkennen dass sie sich als Einzelhund nicht wohl fühlte. Und so ließ ich mir mit der Suche nach einem weiteren Hund recht viel Zeit. Klar war mir nur, dass ich diesmal einen kleineren Hund wollte, keinesfalls aber einen Terrier. Und zu klein sollte er auch nicht sein so dass im Grunde nicht sehr viel Auswahl übrig blieb. In der Zwischenzeit mehrten sich die Anzeichen dafür dass auch Nicoline das Alleinsein nicht so recht schätzte. War ich allein mit ihr, fiel mir nichts besonderes an ihr auf. Sie war fröhlich und gefräßig wie immer. Aber wenn sie dann mal Gelegenheit hatte mit anderen Hunden zusammen zu sein, dann hatte ich den Eindruck dass sie regelrecht auflebte. Es wurde also doch recht bald klar, dass wieder ein zweiter Hund ins Haus musste. Aber was für einer, das war die Frage.
Wie viel Hunde sollen es denn sein ?
Ein, zwei oder auch mehrere Hunde, diese Frage stellt sich wohl für jeden der über ein geeignetes Umfeld zur Haltung mehrerer Hunde verfügt. Einige Erfahrungen und Gedanken hierzu: * Ich habe schon den Eindruck dass sich Hunde zu mehreren einfach wohler fühlen. Vermutlich ist das Leben dann für sie einfach weniger langweilig. Sicherlich ist dies aber auch wesentlich von der Rasse, der primären Sozialisation und den gewohnten Lebensumständen abhängig. * Die Beziehungen unter den Hunden ersetzen keinesfalls die zu uns Menschen. Wer meint sich einen zweiten Hund anschaffen zu müssen weil er zu wenig Zeit für seinen Hund hat, hat im Ergebnis zwei und nicht einen unglücklichen Hund. * Einen einzelnen Hund nimmt man wohl in der Regel überallhin mit, bei zweien wird das schon schwieriger, bei mehreren wohl manches mal unmöglich. Im Ergebnis bleiben wohl mehrere Hunde öfters allein zu Hause als ein einzelner. * Ein erwachsener Hund kann bei der Erziehung eines jungen Hundes ungemein hilfreich sein. So hat z.B. Mimi Nicoline sehr schnell beigebracht dass die Lebensmitteltüten im Kofferraum des Autos tabu sind. Dass sie aber auch Unarten tradieren sei allerdings auch nicht verschwiegen. * Sicherlich ist die Bindung zwischen Hund und Mensch bei mehreren Hunden weniger eng als dies bei einem einzelnen der Fall ist. Es dürfe von dem Stellenwert der Hunde im eigenen Leben abhängen ob dies als Vorzug oder Nachteil zu werten ist. * Mehrere Hunde sind in gewisser Weise interessanter da eine weitere Dimension hinzukommt, die der Interaktion unter den Hunden. Spaziergänge sind weit lebendiger und unterhaltender, manches mal auch chaotischer. Und im täglichen Ablauf ist einfach "mehr los"
. Für Katzen soll gelten dass man niemals mehr haben sollte als Hände zum streicheln da sind. Vielleicht gilt für Hunde ähnliches.
Einige Rassen, die mir auf den ersten Blick ganz gut gefielen, wurden verworfen weil sich bei näherer Auseinandersetzung mit ihnen mehr oder weniger schwerwiegende Gesundheits- und/oder Wesensprobleme abzeichneten. Als ich dann das erste Mal auf eine Abbildung von einem Japanspitz stieß blätterte ich zunächst uninteressiert weiter, denn ein Spitz kam nach den Erfahrungen mit Tara für mich eigentlich nicht mehr in Frage. Aber irgendwann blätterte ich doch wieder zurück und die Frage war dann: warum eigentlich nicht ?
Die Informationen, die ich dann im Lauf der Zeit über diese Rasse fand klangen interessant und stellten den Japanspitz als eher wenig typischen Vertreter der Spitzgruppe dar, der vor allem nicht so viel bellen sollte. Die Erklärung dafür klang plausibel: Im dicht besiedelten Japan als sehr verbreitete Rasse häufig gehalten macht sich ein Spitz mit der üblichen Belllust sicherlich nicht beliebt. Eine Rückfrage bei einer mir noch aus Wolfspitzzeiten bekannten Züchterin bestätigte das gelesene. Auch wenn ich die zu erwartende Subjektivität der passionierten Züchterin bedachte, blieb immer noch genug an positiven Informationen übrig um schließlich die Entscheidung zugunsten eines Japanspitzes zu treffen. Einigen Berichten gegenüber blieb ich dennoch skeptisch. Ein selbstreinigendes Fell sollten die Spitze haben (Tara hatte sicher keines) und angeborener weise so folgsam sein dass man grundsätzlich keine Leine braucht (- naja, wer's glaubt ...).
Damit begann aber zunächst einmal noch eine längere Wartezeit, denn Japanspitze sind in Österreich nicht sehr häufig und von den zwei Züchterinnen plante nur eine und die erst in einiger Zeit einen Wurf. Nicoline musste also noch einige Monate als Einzelhund verbringen. Dann kam aber eines Tages der ersehnte Anruf - die Welpen sind da und es gibt eine Hündin. Im Alter von fünf Wochen besuchte ich die Kleine das erste Mal und es war nicht schwer von ihr begeistert zu sein. Weißer Wuschelpelz mit schwarzen Knopfaugen und ein Welpe der es sich friedlich auf meinem Schoß bequem machte. Drei Wochen später zog sie dann bei uns ein. Mit Nicoline gab es kein Problem. Sie bezog Shira sofort in ihre allumfassende Zuneigung zu allem Lebendigem mit ein und Shira verhielt sich korrekt und geschickt. Und das blieb auch so.
Recht bald machte ich die Erfahrung, dass man Informationen von Züchtern durchaus einmal glauben kann. Shiras Fell ist wirklich selbstreinigend. So unglaublich es klingt, aber selbst wenn sie nach einem längeren Spaziergang bei Gatschwetter aussieht wie durch einen Kanal gezogen - nach spätestens zwei Stunden ist das Fell ganz von alleine wieder blütenweiß. Und das mit dem Gehorsam stimmt - zumindest bei Shira - auch. Sie ist im Normalfall immer schon da noch bevor man sie ruft. Die einzige disziplinäre Maßnahme die ich bei ihr einmal setzen musste war sie kurz hochzuheben. Das war als sie als ganz kleiner Hund bei einem Spaziergang etwas ganz ganz leckeres, das ich aber ganz und gar nicht lecker fand, fressen wollte. Als ich es ihr dann wegnehmen wollte knurrte sie mich an. Ich hob sie kurzerhand hoch und nahm ihr dann das "Gammelzeug" weg was sie offenbar so beeindruckte dass die Dominanzfrage ein für allemal geklärt war. Die einzige Gelegenheit bei der sie lange Zeit aktiven Ungehorsam geübt hat war die Hasenjagd. Auch da sind Japanspitze anders als andere Spitze. Shira jagte mit Begeisterung und gab ihrer Freude durch lautes Lustgeschrei unverkennbaren Ausdruck. Gottseidank jagte sie nur auf Sicht und wenn der Hase in einem Feld verschwunden war kam sie auch sofort wieder zu mir zurück. Inzwischen ist sie älter geworden und als wir vor ein paar Tagen bei einem Spaziergang einen Hasen aufgescheucht haben hat sie nach kurzem Überlegen beschlossen sich die Mühe der Hasenjagd nicht mehr anzutun.
Und dann gibt es da noch die Sache mit den Katzen. Im Gegensatz zu allen meinen anderen Hunden kann Shira Katzen nicht ausstehen. Sie tut ihnen nichts, aber wann immer sich ihr eine Gelegenheit bietet, verjagt sie sie. Und das mit großem akustischem und pantomimischem Aufwand. Mit einer einzigen Ausnahme nehmen die Katzen sie aber nicht besonders ernst. Höflichkeitshalber laufen sie weg, aber ich denke sie betrachten das ganze eher als ein etwas seltsames Spiel.
Natürlich hat auch Shira ihre Schattenseiten. Die meisten davon im gesundheitlichen Bereich denn da ist sie eine typische Vertreterin der Klein- oder Zwergrassen. Als ich sie kaufte wurde mir erklärt dass ihre Eltern HD-frei sind, was mich zwar nicht störte aber auch nicht sonderlich interessierte. HD ist nun einmal bei einer so kleinen Rasse nicht das primäre Problem. Sonst gab es über ihre Eltern keine Gesundheitsinformationen. Als Shira etwa ein halbes Jahr alt war untersuchte ich das erste Mal ihre Kniescheiben und ich hatte keine besondere Mühe sie auf beiden Seiten aus ihrer normalen Position heraus zubewegen. Eine später durchgeführte korrekte Screeninguntersuchung bestätigte meinen Befund. Shira hatte Patellaluxation, auf einer Seite Grad 1 auf der anderen Seite Grad 2. Damit war auf jeden Fall einmal jeder Gedanke daran mit ihr zu züchten abgehakt. Sie zeigt auch gelegentlich die typische Symptomatik der Patellaluxation. Ein paar Schritte auf drei Beinen, kurzes Wegstrecken des luxierten Hinterbeines und dann läuft sie normal weiter. Alles bis jetzt nicht wirklich schlimm, aber vielleicht wäre es besser, wenn die Züchter auf eine HD-Untersuchung verzichten würden und statt dessen die Zuchttiere auf Patellaluxation screenen würden.
Shira hat noch ein zweites Problem das für Zwerghunde typisch ist. Ihre Luftröhre und ihr Kehlkopf sind zu wenig fest gebaut und das führt dazu dass sie immer wieder mal, besonders in Stresssituationen, zu wenig Luft bekommt. Bisher sind diese Anfälle immer nur kurz gewesen und hatten auch keine Folgen aber nach den Informationen aus der Literatur wird dieses Problem mit zunehmendem Alter (und auch mit zunehmendem Gewicht) schlimmer. Nun ja, gegen das Fortschreiten des Alters kann ich nicht viel machen, aber zumindest das Zunehmen des Gewichtes werde ich zu verhindern wissen was nicht ganz einfach ist, denn Shira ist - man kann es kaum anders bezeichnen - gefräßig. Und es ist viel schwieriger einen kleinen Hund schlank zu halten als einen großen.
Zu Menschen verhält sich Shira wie ein typischer Spitz. Sie ist zurückhaltend ohne aber auch nur eine Spur aggressiv zu sein. Fremde werden in jedem Fall verbellt, allerdings bei weitem nicht in dem Ausmaß wie ich es von Tara kannte. In der Zeit, als sie noch täglich mit auf meinen Arbeitsplatz kam war es etwas zermürbend wenn sie jeden, aber auch wirklich jeden, der mein Zimmer betrat laut und anhaltend ankündigte. Gespräche waren immer erst nach zwei bis drei Minuten möglich. Im Gegensatz zu Tara bellt Shira aber wirklich nur wenn sie einen Grund dafür hat. Und heute ist es in erster Linie die Postbotin, die von ihr unüberhörbar angekündigt wird.
Mit anderen Hunden, auch größeren kommt Shira gut aus was sicherlich auch mit ihrer Sozialisation zusammenhängt. Ich habe immer darüber gelacht wenn Besitzer kleiner Hunde ihren Zwerg hochheben sowie nur ein größerer Hund naht. Heute weiß ich dass dieses Verhalten fast instinktmäßig und reflektorisch abläuft. In unserem Ort gibt es eine Familie mit zwei Afghanen. Als wir diese bei einem der ersten Spaziergänge mit Shira trafen habe ich meine Hände festhalten müssen um die Kleine nicht hochzuheben. Der Anblick der zwei Riesen, die im Galopp auf das kleine weiße Hundebaby zurasten, war einfach zu erschreckend. Aber es ist nichts passiert. Shira hat sich verhalten wie sich ein Welpe verhalten soll und die beiden großen Rüden haben sich verhalten wie sich erwachsene Hunde verhalten sollen und nach kurzer Zeit waren die drei gute Freunde.
Ihre hundlichen Mitbewohner hat Shira gut im Griff. So klein sie ist, so durchsetzungsfähig ist sie. Mit Nicoline hatte sie wohl eine Art "Gentlemans Agreement". Nicoline akzeptierte Shira in fast allen Situationen als Alpha-Hund. Es gab zwei Ausnahmen. Die eine war der Fressnapf, die andere war das geliebte Stöckchenspiel. Und beides wurde wiederum von Shira akzeptiert. Es war ganz faszinierend zu beobachten, wie Shira, wenn sie doch einmal früher bei dem geworfenen Stöckchen war, ihr Tempo reduzierte und Nicoline sozusagen den Vortritt ließ. Und auch Dela wird von Shira (noch??) dominiert. Beim Toben auf der Pferdekoppel zeigt ihr Dela zwar immer wieder dass sie körperlich schon die stärkere ist, aber wenn es um wichtige Dinge wie den Fressnapf oder Kauknochen geht pocht Shira unerbittlich auf ihre Alpha-Stellung. In einer Situation zeigt sie allerdings Kulanz. Das ist wenn ich abends nach Hause komme. So sehr sich Shira offensichtlich freut dass ich wieder da bin, so lässt sie doch Dela bei der Begrüßung den Vortritt und lässt es widerspruchslos zu dass ich mich zuerst ausführlich mit Dela befasse. Wenn ich mich aber dann ihr zuwende und sie begrüße, dann hat Dela keine Chance mehr. Wenn sie mir dann zu nahe kommt, wird sie böse angeknurrt.
Die Rassengruppe der Spitze hat es ja (gottseidank) nie geschafft in Mode zu kommen. Und wenn man die Folgen für die sogenannten Moderassen bedenkt, dann haben sie wohl Glück gehabt. Wenn sie aber mangels Nachfrage aussterben würden, wäre das wohl doch ein schwerwiegender Verlust.
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Dela
Dela ist der jüngste und neueste unserer Hunde. Und sie ist eigentlich noch ein ganz unbeschriebenes Blatt. Dem Charme des Welpenalters gerade erst entwachsen ist sie gerade dabei ihre Persönlichkeit zu entwickeln und zu testen. Als Testobjekte dienen ihr Herrchen, Frauchen und Shira. Auf den stärksten Widerstand stößt sie bei .....Shira, wir müssen es uns ehrlich eingestehen.
Dela ist ein Schapendoes und das Hochzeitsgeschenk lieber Freunde. Naürlich konnten wir uns die Rasse und den Welpen selbst auswählen. Sie ist in ihrem Äußeren der klassische Hütehund: Zottiges Fell, ein Schopf aus dem die schönen Augen nur gelegentlich herausschauen - man sieht sie geradezu die Schafherde auf windumwehter Geest umkreisen. Wir mußten bis nach Deutschland fahren um einen Welpen zu bekommen [hier] da in Österreich die Zucht praktisch von einem einzigen grösseren Züchter monopolisert wird bei dem aber in absehbarer Zeit keine Hündin zu bekommen war. Glücklicherweise zeichnet sich ab dass sich jetzt auch weitere Schapendoes-Besitzer züchterisch betätigen. Diese Rasse hat nämlich einige Vorzüge die sie zu einem wirklich angenehmen, mittelgrossen Familien- und Begleithund macht.
Die Schapendoes sind zwar aus alten niederländischen Hütehunden herausgezüchtet worden, sind aber als Reinzuchtrasse noch recht jung und vergleichsweise gesund, - dies nicht zuletzt da sowohl der Niederländische als auch der Deutsche Zuchtverband eine recht vernümftige Zuchtarbeit betreiben bei der Extreme vermieden und ein recht "normaler" Hund angestrebt wird. Dem entsprechend ist die Population noch oder auch glücklicherweise recht uneinheitlich so dass man durchaus unterschiedliche aber dennoch typvolle Schapendoes bekommen kann. Dela liegt von Grösse und Gewicht im mittleren Bereich und ist insbesondere nicht so lang wie wir es gelegentlich bei Hunden aus Österreichischer Zucht gesehen haben. Ihre Ohren sind etwas schwerer als dies im Rassestandard gewünscht wird was bei einer möglichen Nachzucht zu berücksichtigen wäre. Dafür hat sie dann einen ordentlich langen Schweif was bei den Schapendoes obwohl gewünscht durchaus nicht immer der Fall ist. Hoffen wir dass sie von der in der Rasse gelegentlich auftretenden PRA verschont bleibt.
Vom Charakter her hat Dela bislang all unsere Erwartungen erfüllt. So ist sie ein ausgesprochen unproblematischer, angenehmer und leichtführiger Hund der ungemein freundlich zu allen Menschen und Tieren ist. Während sie draussen temperamentvoll und bewegungsfreudig ist, ist sie im Hause meist ruhig und bellt mit ihrer angenehmen, sonoren Stimme nur bei gegebenem Anlass. Zeitweise hatten wir die Sorge dass sie ein wenig schreckhaft und ängstlich ist. Aber das waren wohl nur Entwicklungsphasen. Heute bleibt sie auch im dicksten Verkehr ruhig und gelassen und dies auch ohne dass wir sie auf solche Situationen in besonderem Maße vorbereitet hätten. Ähnlich wie Nicoline kann sie sich wenn es ihr einmal langweilig wird durchaus selbst beschäftigen. Sie verschwindet dann für einige Zeit in Hof und Garten, spielt mit den Katzen, jagt sie vielleicht auch einmal ein wenig, frißt Pferdeäpfel, schnüffelt irgendwelchen Spuren nach oder liegt einfach nur faul herum und beobachtet was so vorsichgeht.
Wieviel Erziehung braucht der Hund ?
Sicherlich sind Obedience, Agility oder eines der anderen derartigen Angebote eine gute Sache, machen Spass und sind der Entwicklung des Hundes zuträglich. Aber wirklich notwendig ist so etwas dann nicht wenn man sich für eine geeignete Rasse entscheidet und die sonstigen Lebensverhältnisse den Bedürfnissen der Hunde entgegenkommen. Und dies sind in erster Linie Bewegung, Anregung und die wenn möglich ständige Nähe zu uns Menschen. Sind diese Voraussetzungen gegeben so werden die Hunde ein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens in das sie sich (meist ) problemlos einfügen.
Unsere Hunde leben mit Pferden, Katzen und eben auch uns Menschen in ländlicher Umgebung und laufen bei allem was wir tun mit. Abgesehen von einem oder zwei täglichen längeren Spaziergängen, auch schon mal einer kleinen Radtour oder gelegentlichem Spielen kümmern wir uns eigentlich nicht allzuviel um sie. Ohne besonderen Aufwand lernen sie auch fast nebenher die elementaren Kommandos wie "KOMM ! ", "SITZ ! ", "AUS ! " und einige wenige andere die sich aus dem Alltag ergeben, viel mehr benötigen wir nicht. Wenn sie mangels Übung im Gehorsam allzu nachlässig geworden sind gibt es einige kleinere Lektionen und es klappt wieder. Sie sind leinenführig was aber nur in der Stadt oder bei besonderen Gelegenheiten notwendig ist. Ansonsten laufen sie fast immer frei herum, beschnüffeln alles und jedes und begegnen so auch andern Hunden und Menschen. Vielleicht sollten wir ihnen die eine oder andere kleine Unart abgewöhnen, aber der Aufwand steht da selten in angemessener Relation zum Problem und so lassen wir es eben meistens. Ebenfalls fast nebenbei lernen sie zu Hause einige Stunden alleine zu verbringen oder auch kurze Zeit im Auto allein gelassen zu werden. Und das wäre dann schon alles ...
Sicherlich stellt sich das im fünften Stockwerk einer Stadtwohnung und mit einem temperamentvollerem Jagdhund oder einem aggressiveren und womöglich sozial expansiven Schutzhund alles anders dar. Hier sind zweifellos konsequente Erziehung und regelmässige, den Hund fordernde und fördernde Aktivitäten geboten.
Der Aufwand den wir mit einem Hund betreiben müssen damit er gesund bleibt und sich artgerecht entwickelt hängt also sowohl von den Lebensverhältnissen als auch der Rasse ab. Glücklicherweise haben wir ja bei der Rasse die Möglichkeit unseren Hund entsprechend unseren Lebensverhältnissen, unseren Interessen und dem Aufwand den wir betreiben wollen oder können auszusuchen.
Auffällig ist das Dela es schlechter als meine anderen Hunde verträgt auch einmal alleine gelassen zu werden. Wer also seinen Hund regelmässig etwas längere Zeit alleine lassen muss sollte wohl besser davon Abstand nehmen gerade einen Schapendoes auszuwählen. Auch sonst gehört sie eher zu den sensiblen Hunden: Ein etwas strengeres Wort reicht um ihr klar zu machen wer das sagen hat, mehr ist nicht notwendig und auch schädlich.
Eines haben wir sicherlich unterschätzt: Ihr zottige Fell ist vergleichsweise pflegeintensiv was gelegentlich dazu führt dass ich nach einer längeren und für sie wohl unangenehmen Pflegesitzung mit einem beleidigten Hund konfrontiert bin der sich nur zu gerne von Herrchen trösten läßt. Wenn ich nach einem Spaziergang bei Matschwetter die mitgebrachten Lehmklumpen in der Dusche abgewaschen oder die dicken Klumpen von Kletten aus ihrem Fell entfernt habe muss ich damit rechnen dass sie den Rest des Tages nicht mehr mit mir spricht. Gottseidank ist Dela nicht wirklich nachtragend. Bei der nächsten Leckerli-Verteilung (die auch prompt folgt) ist der Ärger auch schon wieder vergessen.
Die folgenden beiden Bilder zeigen das Problem unter dem Mikroskop:
![]() Ein Haarbüschel von Shira. |
![]() Ein verfilzter Haarknoten von Dela. |
Und hier die Werkzeuge zur Behebung des Dilemmas:![]() |
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Angenehm ist dass Dela über einen nur wenig entwickelten Jagdtrieb verfügt. Zwar kann sie einem davonlaufendem Feldhasen oder einem aufgehenden Schwarm von Wildenten nicht widerstehen, aber spätestens wenn sie aus unserem Gesichtsfeld verschwindet kommt sie zurück. Auffällig ist das sie die offene Feldflur und freie Wege dem Herumstöbern in Gebüsch oder Wald eindeutig vorzieht (Kann das von anderen Schapendoesbesitzern bestätigt werden ?). Es ist wohl nicht allzuweit hergeholt hierin eine Anpassung an die offene Heidelandschaft ihrer niederländischen Heimat zu sehen. Bemerkenswert ist weiter ihre Beweglichkeit, ihr eleganter, leicht federnder Gang und ihre Sprungkraft, wohl alles ein Erbe des ursprünglichen Arbeitshundes das glücklicherweise züchterisch erhalten worden ist.
Bei all ihren Vorzügen, ihren individuellen aber auch denen der Rasse, war dennoch nicht zu übersehen das ein zotthaariger Hund unter unseren Lebensverhältnissen (und nur denen!) Probleme bereitet die wir weder uns noch den Hunden unbedingt zumuten wollen so dass wir von der Idee einer Nachzucht im Laufe der Zeit zunehmend Abstand genommen haben. Wir leben hier in Niederösterreich in einer Feldlandschaft mit Tonböden die sich bei Regen in einen glitschigen Morast verwandeln und Dela sieht bei solchen Wetterverhältnissen bis zur halben Höhe nur noch braun aus was ja keineswegs ihre natürlichen Färbung entspricht. Und trocknen tut das lange, zottige Fell auch nicht gerade schnell. Das alles sieht natürlich in den windigen und sandreichen Gebieten der nordeuropäischen Tiefebene, aber auch im städtischen Umfeld, in Gebirgsregionen oder solchen mit Wald und Wiesen ganz anders aus. Zu lernen ist hieraus das regionale Besonderheiten und solche der konkreten Lebensverhältnisse - unsere Hunde sind wohl weit öfters draussen als das üblich ist - bei der Wahl einer Rasse angemessen berücksichtigen werden sollten.
Nun, mit nicht jedem dafür geeigneten Hund muss man züchten und Dela ist wegen ihres sensiblen, angenehmen Charakters, ihrer Leichtführigkeit und ihrem charaktervollem Aussehen dennoch eine gute Wahl gewesen. Sie muss bei uns halt öfters als unsere anderen Hunde unter die Dusche.
Dela starb am 07.07.2006 im Alter von nur 3 1/2 Jahren an einer unheilbaren, chronischen Nierenentzündung. [mehr hierzu...]
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Ivy
Nachdem es klar war dass wir mit Dela nicht züchten wollten stellte sich die Frage nach einem weiteren Hund denn irgendwann in den nächsten Jahren wollten wir schon noch einmal junge Hunde großziehen. Damit aber stellte sich auch die weit schwierigere Frage nach der Rasse. Mein Mann tendierte stark in Richtung von Terriern, ich aber war wegen des ungebärdigen Verhaltens von solchen die ich kennengelernt hatte und deren oft ausgeprägten Jagdpassion recht skeptisch. Obwohl uns beiden z.B. Borderterrier als vergleichsweise naturbelassene Rasse vom Charakter und Aussehen her gut gefielen war die Tatsache dass sie nach wie vor als Jagdhunde verwendet werden für uns ein Ausschließungsgrund. Um eine lange Geschichte mit vielen Überlegungen und manchem hin und her kurz zu machen: Nach gründlicher Recherche habe wir uns für einen Irish Terrier entschieden und so kam Anfang Juni 2004 Ivy Eyleen vom Lenzholz im zarten Alter von 10 Wochen zu uns.
Dabei hätten wir die Irish Terrier - kurz IT genannt - beinahe übersehen denn von alten Terrierleuten wurden sie uns als die "härtesten der harten Terrier" beschrieben, schwer zu erziehen und rechte Raufbolde die keinem Streit aus dem Wege gehen, - echte "dare devils" eben wie sie überwiegend auch in der Literatur beschrieben werden. Nun, das ist schon länger vorbei denn dank züchterischer Bemühungen in den letzten Jahrzehnten sind es heute im Allgemeinen gut verträgliche Familien- und Begleithunde denen ein recht eigenwilliger Charakter, auch eine gewisse Sturheit und eine Menge Charme nachgesagt wird, - alles Eigenschaften die wir nach den ersten Erfahrungen mit Ivy bestätigen können. Sicherlich kein Hund für Leute denen strikter Gehorsam wichtig ist sondern für solche die ihrem vierbeinigen Begleiter nicht nur einen eigenen Willen zugestehen sondern dies auch zu schätzen wissen. Heute dürften die Gefahren in der Zucht wie bei anderen Rassen auch eher auf der anderen Seite liegen, nämlich dass es allzu stromlinienförmig gestylte und möglicherweise nervenschwache Hunde werden die sich allzu weit von ihrer züchterischen Basis entfernt haben. Noch ist das aber kein Thema und es gibt auch einiges an Bestrebungen derartigen Entwicklungen schon im Vorfeld zu begegnen.
Irish Terrier sind auf den ersten Blick eher unauffällige, einfarbig rotbraune, mittelgrosse, recht temperamentvolle und gut proportionierte Hunde im Terriertypus die wie viele andere Terrier auch getrimmt werden müssen. Das Trimmen hat den Vorzug dass keine Haare verloren gehen und überall herumliegen und den Nachteil das man es 3-4 x pro Jahr tun muss, - entweder selbst oder eben ein Profi. Für uns aber wichtig ist dass es ein robustes, gut Wasser und Dreck abweisendes Fell ist das ansonsten im Alltag wenig Mühe bereitet. Als ehemals universelle Haus-, Hof-, Wach- und Jagdhunde verfügen sie über eine gute Nase und einen nicht mehr allzu stark entwickelten Jagdtrieb der aber nach den Berichten anderer dann wenn er in der Jugend nicht gefördert sondern gebremst wird gut zu beherrschen ist. Soweit das bislang zu sehen ist verfolgt Ivy (wie auch Dela) einen abgehenden Hasen nur auf Sicht und kommt zurück wenn er aus ihrem Gesichtskreis verschwunden ist. Das kann allerdings gelegentlich länger dauern als meinen Nerven gut tut. Andererseits werden einige wenige ITs durchaus noch jagdlich geführt und wohl hauptsächlich zur Arbeit nach dem Schuss, also zur Nachsuche und zum Bringen eingesetzt.
Aber zurück zu Ivy ! Nachdem wir uns für einen Irish Terrier entschieden hatten wollten wir auch baldmöglichst einen Welpen haben um die Sommerzeit zu nutzen in der die ersten Monate eines Welpen leichter zu bewältigen sind. Wie immer wenn man erstmalig einen Hund einer Rasse kauft deren Interna man noch nicht kennt, und insbesondere dann wenn man sich mit der Suche nicht allzuviel Zeit lassen will, ist man ein wenig auf sein Glück angewiesen. Nach dem Betrachten von unzähligen Bildern im Internet, einer ganzen Reihe von Telefonaten und dem Abwägen verschiedener Alternativen haben wir uns schliesslich für einen Welpen vom Lenzholz aus einem 11er Wurf entschieden. Entscheidend für uns war wohl dass es sich um eine Wurfwiederholung handelte, der erste Wurf recht ausgeglichen war und von verschiedenen Leuten als sehr gut beurteilt worden war. Ein Vorzug ist auch dass in ihm genetisch verschiedene Linien zusammengeführt worden sind was alle Optionen hinsichtlich zukünftiger Verpaarungen offen lässt. Außerdem gefiel uns die zukünftige Halbschwester, Glenys Green, die der Züchter aus dem ersten Wurf behalten und auch recht erfolgreich ausgestellt hat vom Typ her ausgesprochen gut. Und wie es scheint haben wir wirklich Glück gehabt! Ivy frisst wie ein Scheunendrescher und entwickelt sich prächtig, hat einen freundlichen, durchaus selbstbewussten Charakter und zeigt vor allem auch den typischen Ausdruck der Irish Terrier. Ihr Fell ist rotweizen (rotes Deckhaar mit heller Unterwolle) und hat eine recht gute Qualität was nicht bei allen Iren eine Selbstverständlichkeit ist. Ihr Gebäude ist - soweit man das bislang beurteilen kann - harmonisch und durchaus elegant ohne dass dies übertrieben wirkt, - sicherlich eine würdige Vertreterin ihrer Rasse.
Wie schön soll ein Rassehund sein ?
Verfolgt man die Gespräche unter Hundefreunden oder die Diskussionen in entsprechenden Internetforen so macht sich gelegentlich eine eigenartige Schizophrenie bemerkbar: Auf der einen Seite wird so getan als ob es einzig und allein auf den Charakter, auf die "inneren Werte" der Hunde ankäme, dass man sie so wie sie sind ins Herz geschlossen hätte und und das äußere absolut sekundär wäre. Auf der anderen Seite werden - und das können durchaus die gleichen Leute sein - auf den Ausstellungen mit stolzgeschwellter Brust die Pokale in Empfang genommen oder Enttäuschung macht sich breit wenn der Liebling nicht unter die ersten drei der Konkurrenz gereiht wird ...
Keine Frage, wir mögen unseren Hund, so oder so! Was aber ist falsch daran wenn unsere Hunde nicht nur gesund und vital sondern zudem auch noch schön sind? Es versteht sich dass damit nicht die peinlichen Übertreibungen gemeint sind von denen man auf Rassehundeschauen allzu viele sieht sondern die Schönheit die aus der Harmonie von Charakter und Gestalt, aus der Übereinstimmung von Exterieur und Funktion entsteht. Gerade bei einer Rasse wie den Irish Terriern die ja einen recht vernünftigen Standard haben heißt Schönheit ja u. A. dass ihr Körperbau funktional ist was wiederum gesundheitsrelevante Aspekte nach sich zieht. Ein unproportionierter Hund mit z.B. zu kurzem Rücken oder Hals, einer mit zu steiler Schulter oder flachem Becken kann keinen schönen Gang haben, er wird nicht gut laufen können und seine Gelenke werden frühzeitig verschleißen. Ein allzu schmaler Kopf wird Gebissprobleme bereiten und ein sehr schmaler oder zu kurzer Brustkorb wird die Atmung behindern. Wenn die Elemente des Exterieurs aber funktional und gut aufeinander abgestimmt sind so springt uns das als Schönheit des Hundes unmittelbar ins Auge, - warum also nicht unseren Augen trauen? [mehr dazu]
Wenn von Schönheit die Rede ist so ist die Gefahr des Manierismus und somit die des Verfalls nicht weit. In der bildenden Kunst wird damit die Phase einer Epoche bezeichnet in der sich die Stilelemente vom Gehalt ablösen, übertrieben werden und nur noch für sich selbst stehen. Bei den Hunden zeigt sich dies dann wenn dort wo im Standard ein langer Hals gefordert wird, die Hälse immer länger werden, schmaler Köpfe immer schmaler, gerade Rücken immer gerader. Am Ende der Entwicklung steht dann ein übertypisierter Hund der mit dem was die Rasse einmal ausmachte nur noch die Hülle gemein hat aber jeder Substanz verlustig gegangen ist. Jedem von uns sind Rassen, die diesen Weg konsequent zu Ende gegangen sind, bekannt. [mehr dazu] Diese Entwicklung kann man aber auch bei nahezu jeder anderen Rasse beobachten, - bedauerlicherweise auch bei den Irish Terriern. Ein solcher Hund ist nicht wirklich schön, er tut nur so!
Als Gegenbewegung gegen den Manierismus entsteht dann regelmäßig der Ruf nach dem rustikalen, dem ursprünglichen Hund. Zurück zur Natur ist die Devise und das Ideal der Schönheit wird verworfen, als Quelle allen Übels identifiziert. Damit wird aber zugleich das verworfen was einen Rassehund erst ausmacht, die wohlüberlegte und über ein Jahrhundert verfolgte Kultivierung der ursprünglichen Landrasse. Was derart entstehen wird hat weder mit der Kraft und Vitalität der Landrasse noch mit dem Ideal der Rasse selbst etwas gemein, verliert sich im Unbestimmten, ist nur noch Verfallserscheinung, - Strandgut der Geschichte.
Es geschieht nicht oft, aber gelegentlich doch, sogar auf Ausstellungen von Rassehunden, dass wir einem Hund begegnen dessen Blick uns gefangen nimmt und der uns stumm werden lässt angesichts seiner Vollkommenheit, der gleichen Vollkommenheit die auf eine andere Art auch einem Wildtier eigen ist. Niemand kann ernsthaft erwarten jemals einen solchen Hund zu züchten. Aber von Zeit zu Zeit und mit ein wenig Glück fallen solche Hunde und führen uns vor Augen worin die Idee der Rassehundezucht besteht, - und was ein wirklich schöner Hund ist.
Mit der Aufnahme von Ivy in unser Rudel veränderte sich die Situation zwischen den Hunden: Während Ivy und Dela bestens miteinander auskamen und viel miteinander spielten eskalierte die Situation zwischen Dela und Shira. Dela beanspruchte zunehmend die Alpha-Position ohne aber die dafür notwendige souveräne Persönlichkeit zu haben. Shira wiederum akzeptierte Delas Anspruch nicht kampflos so dass es immer wieder zu heftigen, wenn auch gut ritualisierten Auseinandersetzungen zwischen ihnen kam bei denen Shira die Unterlegene war. Für uns war die Situation durchaus schwierig denn es sieht wirklich fürchterlich aus wenn die beiden laut knurrend übereinander herfallen. Eingreifen oder gewähren lassen, das war die Frage. Bewährt hat sich letztlich die Strategie nicht einzugreifen aber betont den Raum zu verlassen und so zur Deeskalation beizutragen. Offenbar spielt das Publikum (Wir, Ivy) eine wichtige Rolle bei diesen Dominanzkämpfen. Ob sich das Problem jemals wirklich lösen wird steht durchaus in Frage da Shira anders als Dela und Ivy kein Rudel- sondern eher ein ausgesprochener Einmannhund ist. Wer also daran denkt mehrere Hunde unterschiedlicher Rassen zu halten sollte derartige Zusammenhänge bedenken. Und mit ein wenig Sorge denken wir daran wie sich das zwischen Dela und Ivy entwickeln wird wenn Ivy erst einmal erwachsen ist ...
post hoc
Durch Delas Tod hat sich dieses Problem sozusagen von selber gelöst, nicht unbedingt so wie wir uns das gewünscht hätten. Nichtsdestoweniger war es ungemein interessant die Veränderungen im Rudel nach Delas Tod zu beobachten. Shira, die durch die ständigen Attacken Delas wohl nicht nur gestresst sondern auch in Ihrer Rangposition und damit in ihrer Verantwortlichkeit massiv beeinträchtig gewesen war, lebte sozusagen wieder auf. Sie übernahm wieder alte Pflichten, wie das Verjagen der Katzen oder das Bellen wenn jemand am Haus vorbeiging.
Ivy hingegen hat lange gebraucht, den Verlust Delas zu bewältigen. Noch Wochen nach Delas Verschwinden fraß sie schlecht, wirkte verunsichert und antriebslos. Das ging so weit, dass wir aus Sorge um sie einen Gesundheitscheck machten, bei dem dann tatsächlich einzelne Blutwerte verändert waren. Da es sonst keinerlei Hinweise auf ein krankhaftes Geschehen bei Ivy gab neige ich dazu diese Veränderungen der Belastung durch Delas Verlust zuzuschreiben.
Und noch heute ist es so, dass Ivy auflebt, wenn sie in Gesellschaft anderer Hunde ist. Ganz besonders dann, wenn es sich um Schapendoes handelt......
Und wir denken ganz intensiv über eine Vergrößerung unseres Rudels nach.....
Dank Sommerzeit und ständig offener Tür zum Garten wurde Ivy sauber ohne dass es hierzu besonderer Anstrengungen bedurfte. Schwieriger für uns war die Umstellung auf drei Hunde wovon zwei auch noch jung sind. Kann man zwei Hunde dank zweier Hände, zweier Leinen, zweier Fressnäpfe usf. noch gut handhaben, so wird das bei dreien überproportional schwierig, - plötzlich hat man es mit einem kleinen Rudel zu tun was einen ganz anderen Umgang auch in den kleinen Dingen des Alltags erfordert ! Bemerkbar macht sich das auch in der Zeit die man dem einzelnen Hund widmen kann, z.B. um ihn angemessen zu erziehen. So lässt denn die Erziehung von Ivy sicherlich mehr zu wünschen übrig als dies bei Dela der Fall ist für die wir noch etwas mehr Zeit aufwenden konnten. Dabei wäre wegen des doch etwas eigenwilligeren Charakters von Ivy ein wenig mehr an Erziehung schon angebracht. Nun, auch sie tut meist das was wir von ihr verlangen und wickelt uns ansonsten mit ihrem Charme derart um den Finger dass man ihr ihre kleinen Sünden gerne verzeiht ...
Da wir - bei entsprechenden Voraussetzungen versteht sich - mit Ivy gerne züchten würden konnte es nicht ausbleiben dass wir auch einige Ausstellungen besuchten obwohl hier in Österreich nicht gerade viele ITs ausgestellt werden. Es ist schon erstaunlich wie man schon nach kurzer Zeit der intensiven Beschäftigung mit einer Rasse anfängt Unterschiede zwischen einzelnen Hunden, aber auch unterschiedlichen Linien und Typen wahrzunehmen. Sehen Anfangs noch alle ITs mehr oder minder gleich aus so fängt man plötzlich an auf Details zu achten (Ohren- und Rutensitz, Fellqualität ), Proportionen wahrzunehmen (zu hoch, zu lang, zu schwer, zu zart ) und den Gang der Hunde recht kritisch zu betrachten. So entwickelt sich langsam ein differenzierteres Bild dessen was einem selbst an den Exterieurmerkmalen der Rasse wichtig ist und was es besser zu vermeiden gilt. Und es dauert auch nicht allzu lange bis man einen ersten Einblick in die Tiefen und auch die Untiefen des Ausstellungswesens und der Rassezuchtverbände gewinnt. Glücklicherweise stellt heute das Internet ein Informationsmedium dar das es dem einzelnen Hundehalter ermöglichst sich unabhängig von der offiziellen Politik der jeweiligen Verbände über den Stand der Rasse, insbesondere auch über gesundheitliche Aspekte die allzu gerne verschwiegen oder herab gespielt werden, zu informieren. [siehe z.B. Irish-Terrier Forum]
Wie Gesund sind Irish Terrier ?
Einer der Gründe warum wir uns für einen IT entschieden haben ist dass die Rasse vergleichsweise gesund ist. Als vernünftig proportionierte, mittelgroße Rasse gibt es insbesondere keine Probleme mit Gangwerk und Gelenken was ja heute bei fast allen größeren und auch sehr kleinen Rassen ein Problem darstellt [weiteres dazu hier]. Das heißt aber andererseits nicht dass es nicht auch bei den ITs einige wenige genetische Defekte gibt die in der Rasse bekannt sind, wenn sie auch auch nicht unbedingt häufig auftreten.
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Cystinurie ist eine Stoffwechselerkrankung bei der in Niere, Blase oder Harnröhre wasserunlösliches Cystin in Form von mehr oder weniger grobkörnigem Gries abgeschieden wird. Bei Hündinnen geht dieser Gries bzw. seine Vorformen mit dem Urin ab während es bei Rüden wegen der anders gearteten Anatomie im schlimmsten Fall zu einem Verschluss der Harnleiters und in der Folge zu Blasenruptur oder Nierenversagen kommen kann. Wird die Krankheit rechtzeitig diagnostiziert, was vorbeugend durch eine Harnuntersuchung möglich, ist so kann eine akute Steinerkrankung durch eine strenge und nicht ganz billige Diät verhindert werden.
Cystinurie ist auch bei anderen Rassen bekannt, wie z.B. beim Neufundländer. Für diese Rasse wurde auch bereits ein molekulargenetischer Nachweis etabliert so dass in dieser Rasse eine Bekämpfung dieser Erkrankung leichter möglich ist. Leider ist diese Nachweismethode für den Irish Terrier nicht verwendbar, da hier eine andere genetische Form der Cystinurie vorliegt, deren Erbgang auch noch nicht ganz klar abgesichert ist. Vorläufig besteht die einzige Möglichkeit einer Selektion gegen Cystinurie in einer Untersuchung des Cystinspiegels der Zuchttiere. Dies wird auf freiwilliger Basis auch bereits von einigen Züchtern durchgeführt und die Werte zum Teil auch veröffentlicht.
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Hyperkeratose (Corny Feet) ist eine Störung der Verhornung der Pfotenballen bei der die Pfoten rissig und unelastisch werden was in der Extremform soweit führen kann dass die Hunde nicht mehr laufen können. In den weniger extremen Formen sind die Pfoten mehr oder weniger empfindlich und erfordern ständige Pflege.
Hyperkeratose lässt sich eigentlich recht leicht diagnostizieren und damit auch bekämpfen. So wird bei Ausstellungen bei jedem Irish Terrier besonderes Augenmerk den Pfotenballen geschenkt. Dank der verbreiteten Verschwiegenheitspolitik vieler Züchter ist das Problem aber in der Population vermutlich weiter verbreitet als dies offiziell eingestanden wird.
Haut und Fell kommt beim IT insofern eine besondere Bedeutung zu als es eine Reihe von Fellvarianten gibt wie z.B. zu weiches oder fusseliges Fell die nicht nur ästhetisch wenig befriedigen sondern auch unzureichenden Schutz bieten und zudem schlecht zu trimmen sind. Käufer eines ITs sind sicherlich gut beraten hierauf in besonderem Maße zu achten.
Wie bei manch anderer Rasse auch gibt es auch bei den Irish Terriern Probleme die sich direkt im Zusammenhang mit dem Rassestandard ergeben - in diesem Falle sind es die zweifellos recht hübsch anzusehenden Kippohren. Was üblicherweise allerdings nicht öffentlich gesagt wird ist dass diese Ohrenstellung fast immer damit verbunden ist dass die Ohren zumindest während der Zeit des Zahnwechsels mit einem hautverträglichen Kleber "in Form" gebracht werden müssen. Wird das nicht gemacht besteht die Gefahr, dass die Ohren sich zu Hängeohren oder zu Stehohren entwickeln, beides Varianten, die dem Typverständnis der IT-Züchter zuwiderlaufen. Mit einem vernünftigeren Standard und einer angepassten Zuchtstrategie ließe sich die Notwendigkeit dieser Maßnahmen, die für den jungen Hund sicherlich eine nicht ganz unwesentliche Belastung darstellt, zumindest langfristig vermeiden. So könnten z.B. etwas tiefer hängende Ohren akzeptiert werden wie sie ja bei den ursprünglichen ITs vorkamen. Ein weiterer Aspekt ist dass das kosmetisierende Kleben der Ohren eine Selektion auf gute Ohrenstellung verhindert denn wie soll ein Richter oder Käufer wissen ob die gute Ohrenstellung der Natur oder dem korrigierenden Eingriff des Züchters zu verdanken ist. Und wenn man sich einmal eine größere Anzahl an ITs im Alltag genauer ansieht und nicht nur die gestellten Bilder so wird man wohl zu dem Urteil kommen müssen dass nicht allzu viele ITs wirklich schöne Ohren haben was wir wohl genau diesem Mangel an Selektion zu verdanken haben...
Nun, es ist wie es ist und kein Hund für den angedacht ist dass er in die Zucht geht und deshalb ausgestellt werden muss kann es sich leisten mit Schlappohren oder - weit schlimmer noch! - mit Stehohren im Ring zu erscheinen. Glücklicherweise gehört Ivy zu den ITs mit großen Ohren die nur kurze Zeit während des Zahnwechsels in dem die Ohrknorpel weich werden geklebt werden müssen. Besitzer von ITs mit kleineren und dickeren Ohren haben da weit mehr Schwierigkeiten.
Mehr zu Ivy und Kayleigh, unserem zweiten Irish-Terrier, findet sich unter http://rubricanis.rubricanis.org/
In Memoriam: Dela
Im Juli 2006 wurde für uns der Albtraum aller Hundebesitzer wahr. Wir mussten unsere wenige Tage zuvor noch scheinbar völlig gesunde Schapendoeshündin Dela wegen einer unheilbaren Nierenerkrankung im Alter von gerade mal dreieinhalb Jahren einschläfern lassen. Wie bei chronischen Nierenerkrankungen üblich, war der Beginn der Erkrankung, der wohl schon längere Zeit zurücklag, schleichend, unauffällig und unspezifisch...
Rückblickend konnten wir einige Auffälligkeiten, die wir beobachtet hatten der Krankheit zuordnen, so z.B. ihr mäkeliges
essverhalten, ihre immer wieder auftretende Reizbarkeit, ihre schlechte Fellqualität oder ihre zunehmend eingeschränkte Bewegungsfreude. Aber die Diagnose, die nach ein paar Tagen mit zunehmender Appetitlosigkeit und häufigem Erbrechen gestellt wurde traf uns doch unerwartet wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Und sie ließ uns auch nicht viel Spielraum für lange Überlegungen. Die praktisch hoffnungslose Prognose ließ uns kaum eine andere Wahl als die einer schnellen Entscheidung für eine Euthanasie wollten wir nicht unseren Hund und uns selber einer alle belastenden und ja doch hoffnungslosen Intensivtherapie aussetzen. Eine sehr wirksame palliative Behandlung durch unsere Tierärztin (Danke, Eva!!) schenkte uns noch einen weitgehend beschwerdefreien Tag den wir nutzten um Abschied zu nehmen und am Tag darauf starb Dela wie wir annehmen konnten aus einem Gefühl des relativen Wohlbefindens in ihrer gewohnten Umgebung inmitten ihrer menschlichen und tierischen Gefährten.
Dela hat eine Lücke hinterlassen die sich wohl lange nicht schließen wird. Aber zu dem persönlichen Schmerz und der Trauer um einen Hund der uns nur so kurze Zeit begleiten durfte kam bereits in den letzten Tagen ihres Lebens die Frage nach dem warum. Was war der Grund für eine chronische Nierenerkrankung bei einem so jungen Hund?
Als professioneller Genetiker ist man natürlich geneigt in so einem Fall auch gleich an einen genetischen Defekt zu denken. Genetisch bedingte Nierenerkrankungen gehören bei Hunden zu den zwar insgesamt eher seltenen Krankheiten, in einzelnen Rassen treten sie aber doch bekannterweise gehäuft auf. Beim Schapendoes war aber in der wissenschaftlichen Literatur keine entsprechende Information zu finden. Die Züchterin unserer Hündin, die wir gleich informiert hatten, war sehr betroffen, konnte uns aber auch keine Informationen liefern. Sie wusste weder etwas über Nierenerkrankungen in ihrer Linie noch bei der Rasse insgesamt. Sie informierte aber gleich den Zuchtverband über Delas Tod und in einem darauf folgenden Gespräch mit dem Vorsitzenden des Deutschen Zuchtverbandes erfuhren wir dann auch erstmalig dass Nierenerkrankungen beim Schapendoes durchaus gelegentlich auftreten. Genauere Informationen waren aber auch hier nicht zu bekommen, insbesondere nicht über die genaue Art der Erkrankungen oder gar über den Erbgang. Die Besitzer der betroffenen Hunde hatten wohl durchwegs kein besonderes Interesse an einer genauen Aufklärung der Hintergründe gehabt. Die verfügbare Information reduzierte sich somit darauf dass gelegentlich Schapendoes im jüngeren Alter an Nierenversagen gestorben sind.
Wir hatten uns in der Zwischenzeit allerdings bereits dazu entschieden Dela nicht, wie es unsere erste rein emotionale Intention gewesen war, im Garten zu beerdigen sondern sie einer genauen pathologischen Untersuchung zuzuführen um zumindest eine exakte Diagnose der bei ihr vorliegenden Erkrankung zu haben. Denn das chronische Nierenversagen das zu ihrem Tod führte kann durchaus verschiedene Grundlagen haben.
So gibt es in der Veterinärmedizin den Begriff der JRN, was für "juvenile renale disease" oder "Nierenerkrankung bei jungen Tieren" steht. Die zwei häufigsten Ursachen dafür sind einerseits eine angeborene Nierendysplasie, also eine Entwicklungsstörung der Nieren, die dazu führt, dass die Nieren sich unvollständig entwickeln und recht schnell nicht mehr in der Lage sind ihre Aufgabe zu erfüllen. Hunde, die von dieser Form der JRN betroffen sind, zeigen meistens schon in den ersten Lebensmonaten Symptome der Erkrankung und sterben oft bereits im ersten Lebensjahr. Die Grundlage dieser Nierendysplasie ist genetischer Natur.
Die andere häufige Ursache einer JRN ist eine akute oder chronische Nierenentzündung, die allerdings wiederum unterschiedliche Ursachen haben kann. Dazu zählen einerseits umweltbedingte Schädigungen wie z.B. Vergiftungen, anderseits genetisch bedingte Dispositionen wie z.B. eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Antigene wie sie z.B. in Futtermitteln vorkommen oder aber auch gegen bestimmte Infektionserreger wie z.B. Borellien. Diese zweite Form der JRN tritt eher im etwas fortgeschrittenen Alter auf wobei das Erkrankungsalter auch davon abhängt wann der Hund mit dem auslösenden Umwelteinfluss in Kontakt gekommen ist.
Klinisch symptomatisch verlaufen die verschiedenen Formen der Nierenentzündung recht ähnlich, eine eindeutige Differenzierung ist praktisch erst im Rahmen einer Obduktion möglich. So ergab Delas Obduktion dass sie an einer "immunbedingten Glomerulonephritis" erkrankt war. Es war bei ihr also zu einer Fehlreaktion ihres Immunapparates auf ein bestimmtes Antigen gekommen. Jene Immunglobuline, die normalerweise dafür sorgen dass Infektionserreger von den körpereigenen Fresszellen als Fremdkörper erkannt und daraufhin vernichtet werden, verbinden sich in einer so verhängnisvollen Form mit den Antigenen zu so genannten Immunkomplexen dass diese großen Gebilde die feinen Kapillaren der Niere verstopfen was zu einem fortschreitenden und unwiderruflichen Absterben der Nierenzellen führt.
Was für ein Antigen bei Dela als Auslöser für diese Immunkomplexbildung fungiert hat bleibt Spekulation. Eine mögliche Ursache könnte eine Borellieninfektion oder aber auch eine Impfung gegen Borelliose gewesen sein. Eine serologische Blutuntersuchung zeigte dass Dela sowohl Antikörper gegen den Borellienimpfstoff hatte aber auch wohl relativ kurz vor ihrem Tod eine frische Borellieninfektion durchgemacht hatte. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich Hinweise dass Kontakte mit dem Borellienantigen, sei es in Form einer Impfung sei es in Form einer Feldinfektion, immunbedingte Nierenentzündungen bei solchen Hunden auslösen können die eine entsprechende genetische Disposition dafür zeigen. So ist z.B. bei Retrievern und bei Shelties bekannt dass bei diesen Rassen eine Disposition zu Borellien-bedingter Nierenentzündung auftreten kann. Bei anderen Rassen werden immunbedingte Nierenentzündungen ebenfalls beschrieben. So gibt es eine sehr umfassende Studie über Nierenerkrankungen beim Soft Coated Wheaten Terrier. In der amerikanischen Population dieser Rasse treten Nierenerkrankungen in einer vergleichsweise hohen Frequenz auf, ein Teil davon als Nierendysplasie ein Teil als immunbedingte Glomerulonephritis. Bei dieser Rasse scheinen aber eher Futtermittelbestandteile als Auslöser in Frage zu kommen. Immerhin konnte in dieser Population über umfangreiche Familienanalysen eine genetische Grundlage der immunbedingten Nierenerkrankungen nachgewiesen werden wenn auch die Daten nicht ausreichten um eine klare Aussage uber den genauen Erbgang zu machen.
Genetische Dispositionserkrankungen, auch als Erb-Umwelterkrankungen bezeichnet, sind eine recht häufige Form von genetisch bedingten Erkrankungen beim Hund. Was ihre züchterische Bekämpfung so schwierig macht ist die Tatsache dass nicht jeder Hund der die genetische Disposition trägt auch tatsächlich erkrankt. Ein disponierter Hund der niemals mit dem Auslöser aus der Umwelt in Kontakt kommt bleibt gesund und gibt, wenn er in der Zucht eingesetzt wird, die Defektgene an seine Nachkommen weiter. Auch das relativ hohe Erkrankungsalter bei vielen Dispositionserkrankungen ist ein züchterisches Problem weil Tiere oft erst nach einem Zuchteinsatz erkranken. Wir hatten ja ursprünglich auch bei Dela durchaus daran gedacht mit ihr einmal einen Wurf zu machen. Gott sei Dank ist es aber nicht dazu gekommen. Man mag es Intuition oder einfach glücklichen Zufall nennen, aber mit ihrer mäkeligen Art zu Fressen, ihrer schlechten Fellqualität und ihrer manches mal reizbaren und etwas unsicheren Wesensart, was möglicherweise alles frühe Anzeichen ihrer Krankheit waren, entsprach sie einfach nicht den Vorstellungen die wir von einer Zuchthündin haben.
Nach Delas Tod habe ich dann versucht weitere Informationen über Nierenerkrankungen bei Schapendoes zu sammeln. Ein Schapendoes aus Österreich, der im Alter von zweieinhalb Jahren an Nierenversagen gestorben war erwies sich als unzureichend informativ. Er war mit einer ganz ähnlichen klinischen Symptomatik und der Verdachtsdiagnose einer Frostschutzmittelvergiftung eingeschläfert worden. Die Verdachtsdiagnose war unter anderem deshalb gestellt worden, weil von der Jahreszeit her (der Hund starb im Januar) eine entsprechende Vergiftung plausibel erschien und weil dem behandelnden Tierarzt von genetisch bedingten Nierenerkrankungen beim Schapendoes nichts bekannt war. Eine pathologische Untersuchung dieses Hundes war nicht durchgeführt worden so dass die Chance einer genauen Diagnose und möglicher zusätzlicher Informationen zu Nierenerkrankungen beim Schapendoes in diesem Fall nicht genutzt worden war.
Durch eine Anfrage bei einer Tierärztin aus der Universität Utrecht erfuhr ich zudem dass dort immer wieder Fälle von Glomerulonephritis beim Schapendoes auftreten, dass für eine aussagekräftige Studie über den Erbgang aber bisher die Voraussetzungen noch fehlen, unter anderem weil es nicht genügend ordentlich ausdiagnostizierte Falle gibt.
Die Bedeutung einer eindeutigen und richtigen Diagnosestellung ergibt sich aus zwei Überlegungen:
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Eine nicht oder unzureichend diagnostizierte Erkrankung kann dazu führen dass genetisch kranke Tiere unwissentlich in der Zucht eingesetzt werden und die Defektgene an ihre Nachkommen weitergeben. Das führt zu einer Verbreitung der Defektgene in der Rassepopulation und in der Folge zu gehäuftem Auftreten der Erkrankung in der Rasse.
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Eine falsch diagnostizierte oder fälschlicherweise angenommene Erkrankung hingegen kann dazu führen dass Tiere ungerechtfertigt aus der Zucht ausgeschlossen werden, sei es dass Elterntiere ungerechtfertigt als genetisch belastet angesehen werden, sei es dass fur die Zucht vorgesehene Tiere ungerechtfertigt als Merkmalsträger betrachtet werden. Gerade in kleinen Populationen ist der ungerechtfertigte Zuchtausschluss einzelner Tiere als fast ebenso problematisch anzusehen wie der Einsatz von genetisch belasteten Tieren. Denn einerseits gehen damit auch positive Gene des betreffenden Hundes der Population verloren, anderseits führt jeder Zuchtausschluss zu einem Verlust an genetischer Vielfalt in der Population und damit zu einem Anstieg des Inzuchtniveaus.
Wie auch immer, eine endgültige Aussage über die Gründe für Delas Tod lässt sich auf der Basis des aktuellen Kenntnisstandes nicht treffen. Immerhin ergeben aber die mir inzwischen bekannten Fakten und Zusammenhänge ausreichende Evidenz um Schapendoeszüchtern und- besitzern Empfehlungen geben zu können:
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Aus züchterischer Sicht sollte die Vermeidung des Zuchteinsatzes kranker Tiere im Vordergrund stehen. Da die Erkrankung sich im Allgemeinen erst beim etwas älteren Hund zeigt kommt somit einer aussagekräftigen Frühdiagnose eine entscheidende Bedeutung zu. Die klinische Symptomatik chronischer Nierenerkrankungen zeigt sich im Normalfall erst dann wenn etwa 75% des Nierengewebes zerstört sind. Erkrankte Tiere zeigen aber oft bereits lange Zeit vor den ersten erkennbaren Symptomen eine erhöhte Ausscheidung von Protein durch den Urin und damit eine erhöhte Proteinkonzentration sowie ein verändertes Verhältnis von Protein zu Kreatinin im Urin. Eine Urinuntersuchung vor einem Zuchteinsatz könnte somit den züchterischen Einsatz eines noch klinisch gesunden Merkmalsträgers verhindern.
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Aus der Sicht des einzelnen Hundes bietet die Frühdiagnose auch die Möglichkeit eines frühzeitigen Therapiebeginns. Obwohl die Prognose einer immunbedingten Nierenentzündung in jedem Fall sehr ungünstig ist, kann durch eine rechtzeitige Therapie doch das Fortschreiten der Krankheit verzögert werden. In diesem Zusammenhang sollten bei Schapendoes auch eher unspezifische Symptome wie verminderte oder wechselnde Fresslust, Nachlassen der Leistungsfähigkeit oder auffallende Reizbarkeit Anlass für eine genauere Untersuchung sein.
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Zu empfehlen ist weiters eine konsequente und akribische Zeckenprophylaxe.
Und als letztes bleibt ein Wunsch: Dass Hunde an genetisch bedingten Defekten erkranken und im schlimmsten Fall daran auch sterben können lässt sich nicht immer vermeiden. Ich würde mir aber wünschen dass es jedem Züchter, aber auch jedem einzelnen Hundebesitzer, ein Anliegen wäre das seine dazu beizutragen dass so schmerzliche Erfahrungen wie unsere zumindest die Ausnahme bleiben.
Und jeder kann dazu beitragen, vom einzelnen Hundebesitzer bis zum Zuchtverband. Hundebesitzer dadurch, dass sie einerseits die diagnostischen Möglichkeiten der modernen Veterinärmedizin ausschöpfen, bis hin zur pathologischen Untersuchung des verstorbenen Hundes, und vor allem auch indem sie die Krankheiten ihrer Hunde publik machen. Das insbesondere wenn es sich um schwerwiegende Erkrankungen bei jungen Hunden handelt die nicht eindeutig auf Umwelteinflüsse zurückzuführen sind. Informiert werden sollten zumindest der Züchter und der Zuchtverband damit dort Informationen gesammelt und ausgewertet werden können.
Züchter und Zuchtverbände wiederum können ihren Beitrag dadurch leisten dass mit den vorhandenen Informationen offen und ehrlich umgegangen wird. Dass eine solche Strategie durchaus von Erfolg gekrönt sein kann zeigt gerade der deutsche Schapendoeszuchtverband unter dessen Initiative es zur erfolgreichen Entwicklung eines genetischen Nachweises für eine beim Schapendoes auftretende erbliche Augenerkrankung, die progressive Retinaatrophie (PRA), kommen konnte. Diese Erkrankung hat bei dieser Rasse fur Züchter und Besitzer somit weitgehend ihren Schrecken verloren. Vielleicht läßt sich das auch einmal für die juvenilen Nierenerkrankungen der Schapendoes sagen.
post hoc: Seit Delas Tod ist nun etwas mehr als ein Jahr vergangen. Die Lücke, die sie hinterlassen hat ist noch nicht gefüllt. Aber Nierenerkrankungen sind beim Schapendoes inzwischen thematisiert und beim holländischen Zuchtverband auch offen angesprochen. In Zusammenarbeit mit der Universität Utrecht läuft dort eine Untersuchung, deren Ergebnisse vielleicht langfristig den Schapendoeszüchtern helfen werden Nierenerkrankungen bei dieser Rasse erfolgreich züchterisch zu bekämpfen.




