Hundeleben
Man sollte meinen dass man als Tierarzt und nach mehr als 20 Jahren wissenschaftlicher Beschäftigung mit Hunden und Hundezucht informiert genug ist um bei der Auswahl der eigenen Hunde ziemlich sicher sein zu können dass man einen gesunden und wesensfesten Hund bekommt. Dem ist aber nicht oder nur bedingt so, denn Wissenschaft ist eine Sache, die eigenen Hunde und das Leben mit ihnen eine andere.
Die Gründe hierfür sind vielfältig: Der wichtigste ist wohl dass es heute praktisch keine Rasse gibt bei der nicht der eine oder anderen genetische Defekt mehr oder minder weit verbreitet ist. Man kann da nur eine vergleichsweise gesunde Rasse auswählen und wird dann mit deren Problemen leben müssen. Der zweite ist dass es nicht so einfach und enorm zeitaufwendig ist an die notwendigen Informationen zu kommen da es in der Hundezucht bedauerlicherweise an ausreichender Transparenz mangelt. Nur gute und erfahrene Züchter die die jeweilige Rasse sehr genau kennen und über detaillierte Hintergrundinformationen verfugen wissen was in der eigenen Rasse für Probleme bestehen und können sie ggf. vermeiden, - oder eben auch nicht. Der dritte Grund ist lebenspraktischer Natur. Gerade dann wenn ein junger Hund in das eigene Lebensumfeld am besten herein passt mangelt es oft an Zeit oder der Möglichkeit ausgedehnter Reisen um Ausstellungen und verschiedene Züchter besuchen zu können. Es bleibt also auch mir wie jedem anderen Hundeinteressenten auch nichts anderes übrig als mich letztlich auf den Züchter und ein bisschen Gluck zu verlassen.
Wenn man wie wir nicht auf eine einzige Rasse festgelegt ist sondern in nahezu jeder etwas Ansprechendes findet ist es durchaus schwierig sich für eine Rasse zu entscheiden. Sicherlich hat jeder von uns auch so etwas wie einen Idealtypus im Kopf. Für mich ist wohl das Bild eines Spitzes prägend während mein Ehemann beim Betrachten eines Terriers ins Sinnen kommt. Aber man macht im Laufe seines Lebens mit Hunden so seine Erfahrungen und sieht das im Laufe der Zeit etwas sachlicher. Hier einige Punkte die mir wichtig geworden sind:
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Ein großer Hund kommt nicht mehr in Frage. Die Grenze liegt irgendwo bei 45cm Schulterhöhe und 12-15kg Gewicht. So einen mittelgroßen oder kleineren Hund kann man noch gut handhaben, mal auf den Tisch stellen um ihn zu bürsten oder packen und in die Dusche stellen wenn er sich im Aas gewälzt hat. Und auf die Rückbank eines Autos passen bequem zwei oder drei davon, und wenn es sein muss noch weitere drei hinter dem Rücksitz.
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Ein allzu kleiner sollte es aber auch nicht sein. Die Idealgröße wäre aus gesundheitlicher Sicht etwa so zu definieren: "Zu groß für Patellaluxation und zu klein für HD". Die noch vertretbare untere Grenze durfte wohl bei etwa 30cm Schulterhöhe und 5kg Gewicht liegen
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Es versteht sich das Rassen mit anderen tierschutzrelevanten Rassemerkmalen gleichfalls nicht in Frage kommen.
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Für einen scharfen Hund haben wir ebenfalls keine Verwendung. Dafür kommen - um hier einmal Rien Poortvliet zu paraphrasieren - auf unserem Hof einfach zu wenige Gauner vorbei. Außerdem ist deren Erziehung aufwendiger als wir es uns zumuten wollen. Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Gehört die ausgewählte Rasse zu denen die als "gefährlich" stigmatisiert sind und vielleicht sogar auf einer der zahlreichen Rassenlisten aufscheinen, so tritt ihnen jeder mit besonderer Vorsicht bzw. mit Vorbehalten gegenüber, - zu recht oder unrecht spielt dabei keine Rolle. Ich aber möchte dass niemand vor unseren Hunden Angst hat denn die soziale Akzeptanz von Hunden ist sowieso zunehmend gefährdet.
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Hunde frei laufen zu lassen, insbesondere auch zu mehreren, ist ein Vergnügen das ich weder den Hunden noch mir dadurch wegnehmen lassen will dass ich eine Rasse mit ausgeprägtem Jagdtrieb wählen wurde.
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Eine aufwendige Fellpflege ist in meinen Augen für Hund und Besitzer nur lästig. Aber welche unter den vielen verschiedenen Fellvarianten die pflegeleichteste ist, ist schwer zu sagen. Sicherlich kommt bei den langhaarigen Hunden das Fell des Japanspitzes dem Ideal schon sehr nahe. Aber vielleicht ist es auch nicht so schlecht wie es z.B. bei Terriern oder dem Pudel der Fall ist, diese einfach 2x pro Jahr scheren oder trimmen zu lassen.
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Neben einer robusten Gesundheit ist ein solides Nervenkostüm mit hoher Reizschwelle wohl die wichtigste Eigenschaft eines Hundes. Bedauerlicherweise wird dieser Aspekt nicht bei der Zucht jeder Rasse angemessen berücksichtigt.
Wenn das alles berücksichtigt ist so bleiben genug Rassen übrig die wir uns bei der Auswahl eines weiteren Hundes genauer anschauen, ihr jeweiliges für und wider bedenken, abwägen und erörtern müssen. Und so wird dann wohl die Entscheidung für eine bestimmte Rasse und einen bestimmten Hund ein Produkt aus solchen Erwägungen, Idealvorstellungen, Zufall, gezielte Fragen an den Züchter und hoffentlich einem Quäntchen Glück sein.
Und letztendlich und glücklicherweise ist das alles ja keine rein rationale Entscheidung. Die Grunde des Herzens sind nun einmal manches mal andere als die des Verstandes und wir sollten uns nur bemühen beide nicht zu sehr in Widerspruch geraten zu lassen.
Ein Bericht über persönliche Erfahrungen mit den eigenen Hunden, ergänzt durch Anmerkungen zu allgemeinen Problemen von Hundehaltung und Hundezucht... [weiter...]
