Über diese Website...

Themen:

In der Übersicht finden Sie die ersten 1-2 Absätze eines jeden Artikels, sortiert nach Erstellungsdatum, - den neuesten also jeweils als ersten.

Kreuzungszucht

Das große Tabu in der Hundezucht

Hundezüchter sind Rassefetischisten. Das ist zunächst mal eine Behauptung. Wenn man sich aber die Definition des Fetischismus z.B. in der Wikipedia anschaut, nach der man unter Fetischismus u.a. "die Verehrung bestimmter Gegenstände im Glauben an übernatürliche Eigenschaften" versteht, so lässt sich diese Definition durchaus auf die Hundezucht übertragen.

So wäre dann der Rassefetischist jemand, der eine bestimmte Rasse verehrt im Glauben an besondere und unvergleichliche Eigenschaften dieser Rasse. Und geben wir es doch zu. Jeder von uns (und ich will mich da gar nicht so sehr ausschließen) ist doch der festen Überzeugung dass gerade die eigene Rasse die beste Rasse der Welt ist.

Das ist ja zunächst auch mal gar nichts böses. Eine bestimmte Hunderasse zu bevorzugen, weil man von deren Qualitäten überzeugt ist, ist genauso legitim wie der Wunsch eben diese Rasse durch eigene züchterische Arbeit zu verbessern bzw. zu erhalten. Und dass züchterische Arbeit, die bestimmte vorgegebene Eigenschaften fördert und erhält, sich am einfachsten im Rahmen von Reinzucht abspielt, ist eine Erfahrung, die bis weit in die Anfänge der züchterischen Nutzung von Tieren durch den Menschen zurückreicht.

Problematisch wird es dann, wenn sich aus dieser Bevorzugung ein Reinzuchtdogma entwickelt, das auch dann, wenn andere züchterische Strategien angemessen oder notwendig erscheinen, den Reinzuchtgedanken um jeden Preis verteidigt. Besonders problematisch wird es, wenn dieser Preis die Gesundheit, Lebensqualität und Lebenserwartung der Hunde einer Rasse ist. Und wenn dann eine durchaus angemessen bzw. notwendig erscheinende Initiative eines Zuchtverbandes, die massiv eingeengte genetische Varianz einer Rasse und die daraus entstehenden gesundheitlichen Probleme  über eine Veredelungskreuzung zu verbessern, mit einem Weltweiten "Aufschrei" des Protestes beantwortet wird, dann erscheint das aus sachlich-genetischer Sicht schlichtweg unpassend.

Aber schauen wir uns die Sache mal aus dieser rein sachlichen Sicht an.

Zuchtverfahren

In der Tierzucht unterscheidet man grundsätzlich zwei verschiedene Verfahren zu Bearbeitung einer Zuchtpopulation

  • Die Selektionszucht: Sie nützt Unterschiede zwischen den Tieren einer Zuchtpopulation. Es werden diejenigen Tiere zur Zucht verwendet, die dem angestrebten Zuchtziel möglichst nahe sind. Durch Selektionszucht steigt der Anteil homozygoter Genorte. Dadurch werden die Tiere insbesondere in den züchterisch angestrebten Merkmalen einander immer ähnlicher. Gleichzeitig erhöht sich aber auch der Anteil an homozygoten Genorten insgesamt. Damit werden auch negative Gene mit rezessiver Defektwirkung häufiger homozygot, was sich in einem vermehrten Auftreten von genetischen Defekten in der Rassepopulation zeigt. Der durch die steigende Homozygotie bedingte Verlust an genetischer Varianz führt zudem zu einem schlechteren Anpassungsvermögen. Dies betrifft sowohl jedes einzelne Tier als auch die gesamte Population. Die Probleme, die sich aus diesem Varianzverlust ergeben wurden ja bereits an anderer Stelle ausführlich beschrieben.
  • Die Kreuzungszucht: Sie nützt Unterschiede zwischen Tieren verschiedener Zuchtpopulationen. Ziel der Kreuzungszucht ist immer eine Erhöhung der genetischen Varianz. Dies kann gezielt in Hinblick auf ein ganz bestimmtes einzelnes Merkmal erfolgen (dann spricht man auch von Kombinationskreuzung) oder unspezifisch in Hinblick auf eine allgemeine Erhöhung der genetischen Varianz zur Verbesserung der Fitness.

Zusammengefasst stellen sich diese beiden Zuchtverfahren so dar

Ein Problem der Selektionszucht in geschlossenen Zuchtpopulationen besteht darin, dass Gene, die durch Selektion oder genetische Drift aus einer Population verschwunden sind, nicht von selber wieder neu erscheinen. Verlust an Genen und damit auch Verlust an genetischer Varianz ist somit primär einmal eine irreversible Sache. Die einzige Möglichkeit verloren gegangene Gene bzw. verlorene genetische Varianz in einer Population wieder herzustellen ist die Immigration, landläufig auch als Kreuzung oder Outcross bekannt. Realistischerweise muss man sich wohl darüber im Klaren sein, dass solche Blutauffrischungen in vielen Rassen in der Vergangenheit beabsichtiger- oder unbeabsichtigterweise wohl immer wieder geschehen sind. Vielleicht würde es manche Rassen heute gar nicht mehr geben, wenn nicht immer wieder mal "frisches Blut" zugeführt worden wäre.

Wir wollen uns daher nun näher mit den Aspekten der Kreuzungszucht beschäftigen

Die klassische Tierzucht unterscheidet zunächst mal zwischen den sogenannten "nichtterminalen Kreuzungen" und den "terminalen Kreuzungen"

  • Die nichtterminale Kreuzung ist ein Kreuzungssystem in dem die Kreuzungsnachkommen für die Weiterzucht genutzt werden. Dabei wird weiter unterschieden:
    • kontinuierliche Kreuzungssysteme sind solche, die über viele Generationen immer in der gleichen Form ablaufen können. Ein typisches Beispiel für eine kontinuierliche Kreuzung ist die Zweirassenwechselkreuzung. Dabei werden in zwei getrennten Linien oder Rassen in jeder Generation immer wechselweise Vatertiere aus den beiden Linien eingesetzt. Dieses Kreuzungsschema eignet sich vor allem zur Aufrechterhaltung genetischer Varianz bei gleichzeitiger Selektion. Es bedarf allerdings einer ausgeklügelten Logistik und kann daher nur in geschlossenen Zuchtsystemen (z.B. Labortierzucht, Geflügelzucht) sinnvoll eingesetzt werden. Für die Hundezucht ist dieses Verfahren aus eben den Gründen nicht geeignet. Denn in der sehr individualistisch ausgerichteten Hundezucht wären wohl die strikten Kreuzungspläne, auf denen eine Wechselkreuzung beruht, kaum umsetzbar.
    • diskontinuierliche Kreuzungssysteme sind solche, bei denen von Generation zu Generation die Kreuzungsstrategie geändert werden kann. Ein typisches Beispiel für eine diskontinuierliche Kreuzung ist die
      • Veredelungskreuzung. Dabei werden ab und zu, je nach Bedarf, Vatertiere einer anderen Population eingekreuzt. Veredelungskreuzungen werden zum Beispiel häufig in der Pferdezucht eingesetzt wo vor allem Sportpferderassen immer wieder mal z.B. durch Vollblüter "aufgefrischt" werden.

        Die Veredelungskreuzung ist die Kreuzungsform, die immer dann am besten geeignet ist, wenn es darum geht, die genetische Varianz einer Population zu vergrößern ohne die typischen Eigenschaften dieser Population zu verlieren.

        Die Veredelungskreuzung hat den großen Vorteil, das sie ein sehr flexibles Kreuzungssystem darstellt, das ganz individuell an die Bedürfnisse einer Population angepasst werden kann.

        Eine Variante der Verdelungskreuzung ist die

      • Verdrängungskreuzung. Bei dieser Kreuzungsform werden über mehrere Generationen hinweg immer wieder Vatertiere einer Fremdpopulation in die aktuelle Zuchtpolulation eingekreuzt. Mit jeder zusätzlichen Kreuzungsgeneration wird der Anteil der ursprünglichen Population verdünnt. Diese Kreuzungsform ist immer dann angebracht, wenn man eine vorhandene Population mit unzureichenden Leistungen grundlegend verbessern will.  Dieses Kreuzungssystem wird immer wieder im Bereich der Nutztierzucht eingesetzt, wenn man leistungsschwache Landrassen verbessern will. Viele moderne Leistungsrassen entstanden auf dieser Basis. Was dabei allerdings gerne übersehen wird ist, dass die verdrängten Gene der Ursprungspopulation unwiederbringlich verloren gehen.  Für die Hundezucht ist die Verdrängungskreuzung zur Zeit allerdings kein geeignetes Kreuzungssystem.
  • Die terminale Kreuzung hingegen ist ein Kreuzungssystem, bei dem die Kreuzungsnachkommen nicht mehr in der Zucht verwendet werden.
    • Gebrauchskreuzung: dieses primär im Bereich der Nutztierzucht eingesetzte Kreuzungsverfahren hat inzwischen auch in die Hundezucht Einzug gehalten. Der Boom an Designerdogs, der von Australien ausgehend über USA inzwischen auch Europa erreicht hat, zeigt überzeugend, dass die Vorteile der Kreuzung reinrassiger Hunde verschiedener Rassen von vielen Menschen durchaus erkannt werden. Die Vorteile beruhen ganz einfach darauf, dass - zumindest bei intelligenter Kombination der Ausgangsrassen - die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten rassetypischer Erkrankungen bei den Kreuzungsprodukten wesentlich geringer ist und trotzdem der Vorteil der Vorhersagbarkeit rassetypischer Merkmale besteht.

Was beim Thema Designerdogs aber oft übersehen wird ist, dass dieser Aspekt der Vorhersagbarkeit von Eigenschaften eben auch nur in der ersten Kreuzungsgeneration gegeben ist. Er beruht nämlich im Grunde ganz einfach auf der ersten Mendelschen Regel. Diese, auch als Uniformitätsregel bekannt besagt, dass bei der Paarung von zwei unterschiedlich homozygoten Elterntieren, die Nachkommen alle gleich (uniform) sind. Setzt man aber diese Kreuzungsnachkommen weiter in der Zucht ein kommt die zweite Mendelsche Regel zum tragen. Diese, auch als Spaltungsregel bekannt besagt, das sich bei der Paarung von zwei heterozygoten Elterntieren (und heterozygot sind die Designerdogs nun mal) die Nachkommen sowohl was den Genotyp als auch was den Phänotyp betrifft aufspalten. Sie werden also unterschiedlich und sind im Grunde nichts anderes mehr als ganz normale Mischlinge.

Wie auch immer, Designerdogs sind ein eigenes Thema um das es hier gar nicht in erster Linie gehen soll. Denn das was mir in diesem Abschnitt am Herzen liegt ist die Möglichkeit der Nutzung von Kreuzungen im Rahmen der Rassehundezucht.

Und hier ist es in erster Linie die Veredelungskreuzung, die als Möglichkeit zur Erweiterung der genetischen Varianz von Rassepopulationen in Frage kommt.

Veredelungskreuzungen haben den großen Vorteil, dass sie an die jeweiligen Bedürfnisse einer Population ganz individuell angepasst werden können. Es gibt kein starres Kreuzungsschema, weder was das Ausmaß der Kreuzungspaarungen, die Intensität noch was die Auswahl der Kreuzungspartner betrifft. Sie erscheint somit als ideale Möglichkeit im Rahmen Rasse- bzw. Populationsspezifischer Zuchtstrategien eingesetzt zu werden.

Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Ansätze zur Veredelungskreuzung die auch etwas unterschiedliche Zielvorgaben haben:

1. Die Kombinationskreuzung

Von Kombinationskreuzung spricht man dann, wenn man ein oder mehrere ganz bestimmte Merkmale in eine bestehende Population hineinbringen will. In diesem Fall erfolgt die Auswahl der Kreuzungspartner ganz gezielt nach einem ganz bestimmten Merkmal.

Als Beispiel für diese Kreuzungsform sei die Einkreuzung eines Pointers in Dalmatiner genannt. Hier ging es ganz gezielt um ein einziges Gen das in die Dalmatinerpopulation eingebracht werden sollte.

Der Hintergrund dieses Kreuzungsprojektes ist ein rassespezifisches Stoffwechselproblem des Dalmatiners, das dazu führt, dass im Urin der Hunde ein sehr hoher Harnsäurespiegel vorliegt. Dieser prädisponiert Hunde der Rasse zur Bildung von Harnsteinen und macht die Einhaltung einer lebenslangen Diät notwendig. Die Grundlage dieses Problems ist ein rezessives Defektgen das offensichtlich alle Dalmatiner in homozygoter Form tragen. Da somit das dominante Normalgen in der Dalmatinerpopulation nicht vorhanden ist, ist eine Bekämpfung des Problems durch Selektion nicht möglich. Durch die Einkreuzung eines Pointers konnte das beim Dalmatiner fehlende Normalgen in die Rasse immigriert werden. Obwohl die Nachkommen aus dieser Kreuzung tatsächlich normale Harnsäurespiegel haben und nach inzwischen mehr als 14 Kreuzungsgenerationen vom erwünschten Normalgen des Harnsäurestoffwechsels abgesehen kaum mehr genetische Information des eingekreuzten Pointers tragen und auch vom Phänotyp ganz normalen Dalmatinern entsprechen, ist das Projekt, das im Jahr 1973 seinen Anfang nahm, unter Dalmatinerzüchtern nach wie vor umstritten. Dabei  glänzt zur Zeit eine der so genannten LUA-Dalmatiner Hündinnen in USA und England als Ausstellungsstar.

Ein anderes Beispiel ist die von dem britischen Genetiker und Boxerzüchter Bruce Cattanach durchgeführte Kreuzung seiner Boxer mit Pembroke Welsh Corgis. Ziel dieser Kreuzung war die Immigration des dominanten Gens für angeborene Schwanzlosigkeit. Hintergrund in diesem Fall war, dass sich der passionierte Boxerfreund nicht mit dem Kupierverbot und dem daraus resultierenden veränderten Rassebild abfinden wollte. Über diesen Hintergrund kann man geteilter Meinung sein, der Effekt war vergleichbar dem des Dalmatinerkreuzungsprojektes. Die Kreuzungsprodukte hatten die gewünschte Stummelrute und bereits in der vierten Generation fanden sich wieder die ersten Ausstellungserfolge der Kreuzungsnachkommen.

Kombinationskreuzungen können auch in etwas modifizierter Form zur Schaffung neuer Rassen eingesetzt werden. Ein Beispiel für eine solche Form der Kombinationskreuzung stellt der Eurasier dar.

2. Die Heterosiskreuzung

In diesem Fall geht es um eine allgemeine Erweiterung der genetischen Varianz. Ziel ist die Erreichung eines unspezifischen Heterosiseffektes und damit eine Verbesserung der Fitness. Landläufig wird hier oft auch von "Blutauffrischung" gesprochen. Die Auswahl der Kreuzungspartner kann weniger spezifisch erfolgen und sich noch mehr an der phänotypischen Ähnlichkeit der Rassen orientieren.

Heterosis wirkt sich unspezifisch im Sinne einer Verbesserung der Anpassungsfähigkeit aus. Insbesondere Eigenschaften, die mit Fruchtbarkeit, Vitalität und Krankheitsresistenz zu tun haben, werden durch höhere Heterozygotie günstig beeinflusst. Besondere Bedeutung kommt hier auch Genen des MHC zu. MHC steht für Major Histocompatiblity Complex und damit ist jener Genkomplex gemeint, der vor allem für eine problemlose Funktion des Immunapparates verantwortlich ist. Studien aus der jüngsten Zeit weisen darauf hin, dass es Assoziationen zwischen Heterozygotie in Genen des MHC und der Anfälligkeit gegen verschiedene Autoimmunkrankheiten gibt. Die Grundlage von Autoimmunkrankheiten ist eine Fehlfunktion des Immunapparates, die dazu führt, dass diejenigen Mechanismen die für die Abwehr von Krankheiterregern zuständig sind, sich gegen Zellen des eigenen Körpers richten und diese zerstören. Eine ganze Reihe von Erkrankungen, die auch in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen haben sind die Folge solcher Autoimmunen Reaktionen. So zählen z.B. Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, Morbus Addison oder Hautkrankheiten wie SLE oder Pemphigus zu den Autoimmunkrankheiten. Neuere Studien zeigen z.B. Nova Scsotia Duck Tolling Retriever einen Zusammenhang zwischen Homozygotie in MHC Genen und einer Immunbedingten Rheumatoiden Erkrankung (Wilbe et al. 2009) oder beim Deutschen Schäferhund klare Assoziationen zwischen Homozygotie in Genen des MHC und einer autoimmunbedingten Entzündung der Hornhaut (Jokinen et al., 2010).

In Hinblick auf die besondere Bedeutung, die den Genen des MHC im Zusammenhang mit der Immunabwehr zukommt, erscheint bei der Auswahl von Kreuzungspartern für Heterosekreuzungen das Angebot eines finnischen Labors recht interessant. Dort können Blutproben auf den Genotyp in MHC Loci untersucht werden so dass man einerseits Information über die genetische Vielfalt in den MHC Loci einer Rasse bekommt. Anderseits kann man bei Anpaarungen den Paarungspartner so wählen dass die Nachkommen in den MHC Genen möglichst heterozygot sind. Und auch für Rassekreuzungen bieten diese Untersuchungen die Möglichkeit gezielt solche Kreuzungspartner zu wählen, die MHC Gene haben, die in der aktuellen Population nicht vorhanden sind.

Auch für solche Heterosekreuzungen gibt es Beispiele wie den Zuchtversuch beim Pudelpointer oder den DLxDK-Zuchtversuch. Auch das oben zitierte beabsichtigte Kreuzungsprojekt beim NSDTR entspricht von der Grundidee her einer Heterosiskreuzung zur Erweiterung der genetischen Varianz.

Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang die Bezeichnung "Zuchtversuch" für die Kreuzungsprojekte, zeigt sie doch auch die Unsicherheit mit der selbst nonkonformistische Hundezüchter an so ein Projekt herangehen.

Allerdings sind Unsicherheit und gesunde Skepsis bei jedem Kreuzungsprojekt durchaus auch angebracht. Denn eine große Gefahr besteht bei jeder Immigration fremder Tiere in eine geschlossene Population. Die Gefahr nämlich, dass durch das bzw. die eingekreuzten Tiere Defektgene in die Population eingebracht werden. Besonders problematisch ist das dann, wenn es sich um Defektgene handelt, die bislang in der Population nicht vorhanden waren. Bei der Auswahl von Kreuzungspartnern ist daher sowohl der Auswahl der Rasse als auch der Auswahl des einzelnen Hundes ganz besonderes Augenmerk zu schenken

Abgesehen von der spezifischeren Auswahl der Kreuzungspartner bei der gezielten Kombinationskreuzung sind die Vorgehensweise und die zu beachtenden Dinge bei jedem Veredelungskreuzungsprojekt gleich.

  • Einkreuzungen sollten in erster Linie über Rüden vorgenommen werden. Damit ist gewährleistet dass alle maternalen Einflüsse sowohl auf der genetischen als auch auf der epigenetischen Ebene der Ausgangsrasse entsprechen. Und auch die für die Frühsozialisation wichtigen mütterlichen Umwelteinflüsse basieren auf rassetypischen Merkmalsausprägungen.
  • Bei der Auswahl von Rüden, die für eine Einkreuzung vorgesehen sind, sollte deren genetisches Umfeld insbesondere in Hinblick auf die Gefahr der Immigration von Defektgenen sehr genau beachtet werden. Der optimale Kreuzungspartner ist ein alter gesunder Rüde mit zahlreichen Nachkommen in seiner eigenen Population. Idealerweise ist der Gesundheitsstatus dieser Nachkommen bekannt und gut dokumentiert.
  • In der ersten Kreuzungsgeneration weicht das Exterieur der Tiere vom Rassestandard der Ausgangsrasse mehr oder weniger stark ab, lässt sich aber bei Kenntnis der Erbgänge der Exterieurmerkmale recht gut vorhersagen.
  • Kreuzungstiere der ersten Kreuzungsgeneration sollten ausschließlich mit reinrassigen Tieren der Ausgangsrasse angepaart werden.
  • Auch in den nächsten Generationen sollte man bei den Anpaarungen Paarungen zwischen Kreuzungsnachkommen und Tieren der Ausganspopulation bevorzugen  da auf diese Weise eine Rückkehr zum Rassetypus schneller zu erreichen ist. 
  • In den weiteren Kreuzungsgenerationen sollte zudem  insbesondere bei den Kombinationskreuzungen der Selektionsschwerpunkt auf der Erhaltung des bzw. der immigrierten Merkmale liegen. Hat man also z.B. eine Einkreuzung durchgeführt um eine bestimmte Farbvariante in die Rasse zu bekommen, dann sollte man aus den Folgegenerationen diejenigen Tiere bevorzugt zur Zucht verwenden, die diese Farbvariante tragen. Findet eine solche Selektion nicht statt unterliegen die neu immigrierten Gene der genetischen Drift und können daher aus der Population auch wieder verschwinden. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich um eine kleine Population handelt.
  • Eine Rückkehr zum Rassetyp geht relativ schnell zumal die Merkmale des Rassetyps im Allgemeinen zu den hoch heritablen Merkmalen gehören und daher durch entsprechende Selektion züchterisch gut zu beeinflussen sind.
  • Bei der Selektion in den nächsten Generationen sollte daher einerseits der Rassetyp, bei Kombinationskreuzungen zusätzlich das immigierte Merkmal besondere Beachtung finden.
  • Ob, wann und in welchem Ausmaß Einkreuzungen wiederholt werden, kann und sollte flexibel und auf der Basis einer ständigen Beobachtung der Population entschieden werden. Starre Kreuzungsschemata sind in diesem Zusammenhang kontraproduktiv.

 

Aus sachlicher Sicht gibt es somit keine wirklich berechtigten grundsätzlichen Argumente gegen Einkreuzungen. Im Interesse des Gesundheit von Rassehunden sollten sie daher immer dann in Betracht gezogen werden, wenn die genetische Varianz einer Population erschöpft ist bzw. wenn gesundheitliche Probleme einer Rassepopulation durch andere Maßnahmen nicht mehr unter Kontrolle zu bringen sind.

Dogmatische Ablehnung jeder Art von Einkreuzungen durch Züchter und Zuchtverantwortliche erscheint jedenfalls im Sinne der von Zuchtverbänden durchwegs als eines der wichtigsten Ziele geäußerten Intention zur Zucht gesunder Rassehunde kontraproduktiv und ungerechtfertigt.